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Die Open-Air Toleranz Galerie

Toleranz ist so eine Sache. Sie endet immer genau dort, wo die eigene Komfortzone anfängt. Der Obdachlose, der es sich im Automatenraum einer Bank bequem gemacht hat, ist für viele schon eine persönliche Zumutung. Oder schon der Ast des Birnbaums, der aus dem Nachbarsgarten herüberragt, kann zur Schlacht am Gartenzaun ausarten.

Wie es um unsere Toleranz bestellt ist, zeigt die Plakataktion „Anfachen“, die auf Sankt Pauli am Millerntor und anderen Orten unserer Hansestadt zu sehen war und nun noch einmal zusammen mit der Beruflichen Schule auf Sankt Pauli ausgestellt wird . 25 Motive haben es von den über 671 Einreichungen aus der ganzen Welt in die Endauswahl geschafft.
Und dabei ist alles: feinsinniger Humor („Talk with Aliens“), direkte Wahrheiten („Where does your tolerance begin“) und Motive, die einem im Innersten unangenehm berühren. Natürlich wird auch das Thema Flüchtende behandelt, wobei das tiefe, blaue Meer auf zwei Motiven eine zentrale Rolle spielt.
Die Gewinnerkünstler kommen aus Australien, China, Iran,  Kanada, Mexiko, Polen, der Schweiz, Ungarn, den USA und Deutschland:

Hinter der Aktion steckt die umtriebige Julia Melzner („Frappant e.V.“), die mit viel Durchsetzungsvermögen um die öffentlichen Präsentationsorte gekämpft hat. „Die Plakate sollen zum Gespräch auf der Straße werden und deutlich machen, wie weit es noch bis zu einer toleranten Gesellschaft ist.”
Wie wahr das ist, zeigt, dass immer wieder Plakate, vor allem das Motiv mit der Demonstrationsform Schwarzer Block und die Frau, die ihre langes Haar wie eine Burka trägt, regelmäßig zerstört werden. Leute, es sind nur Poster!

Schirmherr des „Anfachen Awards“ ist kein geringer als der Altmeister der deutschen Plakatkunst Prof. Klaus Staek, der mit seinem Klassiker „Alle reden vom Klima, wir ruinieren es“ sicher vielen in Erinnerung ist. Sein Statement zu Aktion: „Es bleibt dabei: nichts ist erledigt.” Recht hat er.
Mal sehen, wann erkannt wird, das Toleranz Spaß macht. Die Plakate sind ein erster Schritt.

Wer die Plakate noch einmal sehen möchte, der hat jetzt bis zu den Sommerferien die Chance dazu.  An der Beruflichen Schule 11 mitten in St. Pauli  konnten dank der Initative von Sandra Hülsmann die Schülerinnen und Schüler die „Toleranz-Galerie“ wiederbeleben. Bestückt wurde der Zaun zwischen U-Bahn Feldstraße/ Recyclinghof und der Schule.

Toleranz ist ein Thema, das im Gespräch und im Blick bleiben muss. Wer auf dem täglichen Schulweg mit den verschiedenen künstlerischen Positionen zu Toleranz konfrontiert wird, der kann sich einer Auseinandersetzung damit nicht entziehen: Schnell entwickelt man ein persönliches „Kopfkino“ oder es entstehen Gespräche. Die Toleranz-Plakate sind somit nicht nur wunderschöne Farbtupfer im schulischen Außenraum, sondern unterstützen ein wesentliches Ziel von Bildung.