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Das sind die Hamburg-Insider

News aus Eimsbüttel und Bergedorf, vom Kiez und dem FC St. Pauli, über neue Mode und schöne Cafés: Die „Hamburg-Insider“ kennen ihre Ecken unserer Stadt ganz genau. Auf MOPO.de berichten sie darüber.

Stumme Vögel: Vogelsterben auf Sankt Pauli. Was ist dran?

Von reeperbahn.de

Was war das für ein praller Sommer. Das Leben fand auf den Straßen Sankt Paulis statt. Es wurde gelacht getrunken und diskutiert. Vor allem über ein Thema: Warum gibt es kein Vogelgezwitscher, das die sommerliche Stimmung noch heben würde?

„Erst sterben die Bienen, dann die Vögel und am Ende der Mensch.“ hörte man vielerorts. Befeuert wurde das ganze noch durch die Meldungen, dass die Popuation der Vögel insgesamt in Hamburg zurückgegangen sei. Gerade Stare und Spatzen seien betroffen. Gemutmaßt wurde, dass es wohl an den fehlenden Insekten liegt, die durch die Pflanzengifte auch immer weniger werden.
Als dann im September noch die Meldungen kamen, dass das von Stechmücken übertragende Usutu-Virus über 2500 Amseln dahingerafft hatte, wurde eine nahende Apokalypse für möglich gehalten.
Aber hat das etwas mit dem fehlenden Gesang zu tun?

Wir befragten dazu den Dipl. Bioingenieur Michael Rademann, der spannende vogelkundliche Touren rund um Hamburg anbietet. „Spätestens ab Juli ist das morgendliche Konzert der Vögel nicht mehr zu hören. Besonders auffällig ist das natürlich bei unseren häufigsten Brutvogel in Hamburg, der Amsel. Irgendwann zwischen Ende Juni und Anfang Juli, fällt auf dass man auf den gewohnten morgendlichen Amselchor verzichten muss!“
Sprich mit Beginn der Fussball-Weltmeisterschaft wurde es still auf den Bäumen im Viertel.

„Der Gesang der Vögelmännchen,“ so Michael Rademann, „hat drei Funktionen: einen Partner zu finden und anzulocken, das Brutrevier gegenüber Artgenossen zu markieren und über den Gesang zu verteidigen.“
Sprich außerhalb der Brutzeit gibt es einfach keinen Grund zu singen. Und die Vögel verlassen die Nester, um mit den Flügge gewordenen Jungen auf Nahrungssuche zu ziehen. Spätesten ab Mitte Juli ist das Brutgeschäft, auch das der Vögel die mehrmals im Jahr brüten, erledigt und die Gesänge verstummen.
Ein weitere Grund kommt im August dazu. Die Mauser.“Dabei dauert der Austausch sämtlicher Federn Wochen. Während dieser langen Zeit sehen die Vögel zerzaust aus und können viel schlechter fliegen, da auch die Flugfedern erneuert werden. Sie verhalten sich jetzt so gut wie nur möglich leise und verborgen, um Feinde nicht auf sich aufmerksam zu machen. Dabei kann der Eindruck entstehen, die Vögel seien verschwunden oder wegen ihres zerzausten Aussehens, dass sie erkrankt sind.“ führt Rademann aus.
Und es gibt noch einen Grund, warum es still war. Es war schlichtweg zu heiß. Viele Vogelarten singen nicht bei Temperaturen um die 30 Grad. Und solche Werte gab es ja diesen Sommer reichtlich.

Also sind die stummen Vögel doch wieder eine „urban legend“ wie sie auf Pauli gerne erzählt werden.

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