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WG-Kolumne #2: Wider den Zweifel

„Ehm Nele, es ist was Doofes passiert. Wir wollten ein Schränkchen über der Wickelkommode anbringen, haben gebohrt, wohl irgendwas dabei erwischt und naja… jetzt liegt irgendwie kein Strom mehr auf der Wohnung.“ Wer braucht schon eine funktionierende Elektrik? Ein Leben bei Kerzenschein – Das ist meine WG: Sie (28), ich (26), er (27) und das Mini (30. Woche). Noch zwei Monate to go.

Abgesehen von gelegentlichen Elektrikdesastern geht es in unserer Gemeinschaft recht harmonisch zu. In Zeiten von Co-Parenting und offenen Beziehungen sollten alternative Entwürfe zur Lebensführung und Möglichkeiten des Zusammenschlusses zu größeren Gemeinschaften keine Seltenheit mehr sein – schließlich ist das Feuilleton voll davon.

Die Sorgen der Anderen

Trotzdem klingelt der Nachbar, um zu fragen, ob ich eigentlich verrückt sei, dass ich da mit der sich in der Entstehung befindenden Kleinfamilie wohnen bleiben möchte. Erst nachdem die Tür wieder zu ist, habe ich Zeit, näher über die Frage nachzudenken. Was meint er damit? Wird mich das Familienleben stören? Werde ich das traute Familienglück stören? Oder kann er sich einfach nicht vorstellen, dass Babygeschrei auszuhalten ist?

Es ist wahr, dass in unserer Konstellation sehr verschiedene Lebensentwürfe und -situationen aufeinanderprallen. Ein Pärchen, das ein Baby bekommt, den Nestbau vorantreibt und bei dem die Familienplanung im Vordergrund steht, trifft auf eine Studentin, die gerade in der Masterarbeit steckt, deren Gedanken darum kreisen, wo die nächste Bewerbung und die nächste Reise hingehen sollen und sich zum Ausgleich am Wochenende am liebsten mit Freunden trifft oder tanzen geht.

Ich kann euch beruhigen

Neben der Frage nach dem Warum scheint es hauptsächlich eine weitere Frage zu sein, die Freunde und Bekannte umtreibt: „Geht dir das Zusammenleben mit einem Pärchen auf Dauer nicht auf die Nerven?“ Eventuellen Eifersüchteleien scheint ihre Hauptsorge zu gelten.

Das Gefühl der Eifersucht kenne ich im Allgemeinen natürlich – nicht jedoch in Bezug auf andere Pärchen. Wenn sich Menschen gut verstehen, in welcher Konstellation auch immer, ist mir das noch nie auf den Wecker gegangen. Nur das Gegenteil strengt an.

Dazu kommt, dass Esther und Gustav in außergewöhnlichem Maße bereit sind, ihre Beziehung zu öffnen und ich nicht das Gefühl habe, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Wir verbringen viel Zeit zu dritt, sind trotzdem Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen und haben meistens das Gefühl, dadurch mehr zu gewinnen, als zu verlieren.

Gegenseitigkeit

Wir behaupten auch nicht, dass es durchweg konfliktlos abläuft – aber fast. Die beiden hören sich das Drama mit dem allgegenwärtigen Kampf um die Einhaltung der universitären Fristen an. Ich kenne mittlerweile jedes Detail über Schwangerschaft, Geburt und die Betreuung von Säuglingen. Ich weiß, was meine Mitbewohnerin essen darf und habe regelmäßig Träume, wie ich im Schlafanzug durch das nächtliche Hamburg sprinte, um der Geburt entgegen zu eilen.

Das Auto – ein alter Subaru, der bei Regen nicht anspringen mag – ist für den Tag der Geburt schon so geparkt, dass er beim Start abwärts rollt und, wenn nötig, mit einem vereinten Schubs ins Rollen gebracht werden kann. Vielleicht täuschen wir uns auch, aber im Moment sind wir noch der Meinung, dass man auch unterstützend wirken kann, ohne dieselbe Lebenssituation zu teilen.

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