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1. Mai: DGB plant in Eimsbüttel große Demo zum Tag der Arbeit

Am 1. Mai veranstaltet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Hamburg in Eimsbüttel eine Demonstration zum Tag der Arbeit. Warum feiern wir den 1. Mai? Wieso eine Demo in Eimsbüttel? Und was hat der Tag der Arbeit mit Europa zu tun?
„Der Tag der Arbeit ist für uns ein wirklicher Feiertag“, sagt Hamburgs DGB-Vorsitzende Katja Karger. „Auf der einen Seite möchten wir natürlich kundgeben, was uns nicht gefällt. Auf der anderen Seite wollen wir aber auch feiern, was wir schon erreicht haben.“ Karger sitzt in einem Café in der Osterstraße. Gerade hat sie mit ihren Kollegen Flyer verteilt, um auf die Demonstration hinzuweisen, die der Deutsche Gewerkschaftsbund in Hamburg für den 1. Mai geplant hat.

Ursprung in den USA

Der 1. Mai ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag: Es ist der Tag der Arbeit. Seinen Ursprung hat der Tag aber eigentlich in den USA. Hier riefen zum 1. Mai 1886 Gewerkschaften zum Generalstreik auf. Arbeitende demonstrierten gegen schlechte Bezahlung und lange Arbeitszeiten – und hatten damit Erfolg: Der Arbeitstag wurde auf acht Stunden reduziert.

Die Arbeiterbewegung hielt Ende des 19. Jahrhunderts auch Einzug in Deutschland. Es sollte allerdings noch bis zum Ende des Ersten Weltkriegs dauern, bis auch hier der Acht-Stunden-Tag sowie der Feiertag zum 1. Mai erstmals eingeführt wurde.

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland

Bis heute haben sich die Arbeitsbedingungen in vielen Bereichen sehr verändert. Und trotzdem herrschen noch viele Missstände, gegen die sich der DGB Hamburg einsetzt und die er bei der diesjährigen Demonstration thematisieren will. „Wir haben in Deutschland immer noch viele atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse“, erklärt Katja Karger. Beispiele findet man überall, so etwa im Einzelhandel, beim Flughafenpersonal, bei Paketzustellern oder in der Leiharbeit.

„Gerade in Hamburg haben wir eine Dualität der Beschäftigungsverhältnisse“, so Karger. „Während ein Teil der Hamburger gute Gehälter von 3.600 Euro brutto und aufwärts verdient, verdient ein größerer Teil nur 2.000 Euro brutto.“ Dazu käme, dass Mieten in Hamburg seit Jahren in rasantem Tempo in die Höhe schießen und Geringverdiener an den Rand der Stadt drängen würden. „Eimsbüttel als einer der beliebtesten Stadtteile ist da ein gutes Beispiel“, sagt die Vorsitzende. Auch deshalb findet die Demonstration im Herzen des Bezirks statt.

Demonstration in Eimsbüttel

„Wir haben uns bewusst für Eimsbüttel entschieden. Wir wollten dorthin, wo die Leute leben und arbeiten“, erklärt Karger. Mit der Universität, einigen Krankenhäusern, Karstadt und Galeria Kaufhof biete der Bezirk gute Bezugspunkte zu „interessanten Arbeitsverhältnissen“, wie Karger es ausdrückt. Auch viele Kreative und Solo-Selbstständige leben in Eimsbüttel, denen es an sozialer Absicherung oft fehle.

Starten wird die Demonstration am Theodor-Heuß-Platz am Dammtor und zieht dann über die Grindelallee und die Bundesstraße die Osterstraße hoch. An der Kreuzung zum Heußweg wird es um 12 Uhr eine große Kundgebung geben. Neben Katja Karger wird unter anderen auch ver.di-Chef Frank Bsirske eine Rede halten. Der DGB erwartet um die drei- bis viertausend Demonstranten.

DGB setzt sich für „gute Arbeit“ ein

Ziel des DGB Hamburg sei es, eine soziale Stadt für alle zu schaffen, in der Menschen gut arbeiten und gut leben können. Das bedeutet, dass Menschen „gute Arbeit“ benötigen: eine anständige Bezahlung, anständige Arbeitszeiten und -bedingungen. Arbeitende müssten raus aus prekären Beschäftigungsverhältnissen wie der Leiharbeit und dem Minijob.

Bezirks- und Europawahlen ein zentrales Thema

Neben dem Thema „Gute Arbeit“ sollen bei der Demonstration auch die Bezirks- und Europawahlen eine zentrale Rolle spielen. „Wir machen uns große Sorgen über den Rechtsruck, den wir momentan in der Gesellschaft erleben“, so Karger. Vor allem bei den Europawahlen befürchtet die Hamburger DGB-Vorsitzende ein Erstarken von rechten Parteien. Denn hier würden viele rechtspopulistische Parteien offen mit dem Ziel antreten, Europa abzuschaffen.

Dabei hat Europa auch eine große Bedeutung für den Arbeitsmarkt. „Wenn wir uns den Hamburger Arbeitsmarkt anschauen, sehen wir: Die Hälfte unserer Betriebe sind schon längst europäisch oder international aktiv“, so Karger. Zudem gäbe es viele europäische Betriebsräte, die sich für die Belange der Beschäftigten einsetzen. „Wir können ohne Europa nicht mehr arbeiten“, ist die Vorsitzende überzeugt.

Sollte es zu einem Zusammenbruch der Europäischen Union kommen, würde es auf die Bürger zurückfallen: „Wir werden dafür bezahlen – als Beschäftigte und Steuerzahler. Es ist deshalb die vollkommen falsche Richtung, auf Renationalisierung zu setzen“, so Karger.

„Kritisieren, nicht boykottieren“

Katja Karger hat Verständnis dafür, wenn Menschen nicht wissen, was sie wählen sollen. Trotzdem sei eine hohe Wahlbeteiligung wichtig, um ein Gegengewicht zum rechten Lager zu bilden. „Man kann an der Politik der Europäischen Union und auch hier im Bezirk eine Menge kritisieren. Aber wir sollten sie kritisieren, nicht boykottieren“, konstatiert die 49-Jährige. „Bevor die anderen an die Macht kommen, würde ich lieber etwas wählen, das mir nicht hundertprozentig passt.“

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