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Das sind die Hamburg-Insider

News aus Eimsbüttel und Bergedorf, vom Kiez und dem FC St. Pauli, über neue Mode und schöne Cafés: Die „Hamburg-Insider“ kennen ihre Ecken unserer Stadt ganz genau. Auf MOPO.de berichten sie darüber.

Handgemacht, nachhaltig und abgefahren – Hej Eis

Von Eimsbütteler Nachrichten

„Spargel-Zitrone“, „gebrannte Mandel“ oder „Ziegenkäse-Himbeer-Crumble“ – Bei einem Besuch in der neuen Eisdiele Hej Eis in der Schwenckestraße muss man erst einmal überlegen: Schmeckt das wirklich – als Eis? Joachim Kersten hat Hej Eis Ende Juni in Eimsbüttel eröffnet und experimentiert gerne mit neuen Sorten. Spargel-Zitrone ist zum Beispiel sehr spontan entstanden. Der junge Unternehmer entdeckte beim Einkaufen Spargelpüree und dachte sich: „Daraus mache ich einfach mal ein Eis“.

Bei Hej Eis werden alle Eissorten täglich frisch per Hand gemacht. Dazu verwendet Kersten nur natürliche Zutaten, keine Strukturverbesserer oder Konservierungsstoffe. Viele Sorten sind vegan. Neben den außergewöhnlichen Kreationen führt die Eisdiele auch traditionelle Sorten wie Himbeere oder Vanille.

Wie macht man aus gebrannten Mandeln ein Eis?

„Das Besondere an Hej Eis ist, dass wir fast jedes Eis umsetzen können“, sagt Inhaber Kersten. Im Laden hängt deshalb auch eine Wunschtafel, auf der Gäste ihre Wünsche aufschreiben können. Momentan sind darauf unter anderem die Vorschläge „Fermentierte Salzgurke“, „Smokey Chocolate“ und „Olivenöl“ zu lesen. Aber wie setzt man diese Vorschläge um? Wie macht man aus Salzgurke oder aus gebrannten Mandeln ein Eis?

„Wenn man weiß, wie ein Eis aufgebaut ist, ist das eigentlich gar nicht so schwer“, erklärt Kersten. „Eis besteht immer aus einem Anteil Wasser, Zucker, Fetten und so weiter. Dann muss man ein bisschen herumrechnen und am Ende weiß man, wie man die Zutaten zusammensetzen muss.“ Bei der Sorte „gebrannte Mandel“ werden dabei zum Beispiel nicht einfach gebrannte Mandeln in einen Mixer geworfen und eingefroren. Die Basis bildet ein Mandelmus, später werden zerkleinerte feuergebrannte Mandeln hinzugefügt.

Inhaber von Hej Eis Joachim Kersten. Foto: Catharina Rudschies Joachim Kersten, Inhaber von „Hej Eis“. Foto: Catharina Rudschies

Einige wenige Sorten seien dann aber doch nicht umsetzbar, „Olivenöl“ zum Beispiel. „Um den Geschmack des Olivenöls wirklich hervorzubringen, benötigt man relativ viel Öl im Eis. Dann wird der Anteil an Fetten aber zu groß, das funktioniert nicht“, erklärt der Inhaber.

Eismachen als Wissenschaft und Kunst

Joachim Kersten spricht vom Eismachen, als sei es eine Wissenschaft und Kunst zugleich. Das Eismachen begleitet ihn schon sein ganzes Leben. Schon sein Urgroßvater kreierte vor rund 100 Jahren Eisspezialitäten und verkaufte sie in seinem Eiswagen am Bodensee. Das Wissen rund ums Eismachen wurde an den Großvater weitergegeben. In seiner Kindheit sagte Joachim Kersten deshalb oft: „Opa, mach mal Eis!“. In seiner Schulzeit arbeitete er dann selbst für vier Jahre in einer Eisdiele in seiner Heimatstadt Büsum.

Nach dem Abitur schlug Kersten jedoch zunächst einen anderen Weg ein. Er studierte Medientechnik, arbeitete zehn Jahre in dem Beruf. Doch das viele Reisen und Fliegen, das der Job mitbrachte, wurde ihm irgendwann zu anstrengend. „Mit Frau und Kind ist dieser Lebensstil, ständig weg zu sein, einfach nicht kompatibel“, so Kersten.

Becher und Löffel aus kompostierbarer Maisstärke

2015 besuchte er deshalb eine Eisfachschule und machte sich auf die Suche nach einer Immobilie. Erst 2018 sollte er fündig werden. Nach einem umfassenden Umbau konnte Joachim Kersten seine Eisdiele Hej Eis endlich diesen Sommer eröffnen. Die Räumlichkeiten sind mit viel Liebe eingerichtet. Alle Möbel sind von Kersten selbst gebaut. Außerdem versucht er, seine Eisdiele so nachhaltig wie möglich zu betreiben. Vor Ort wird das Eis in Gläser gefüllt, Mitnehmbecher und Löffel bestehen aus kompostierbarer Maisstärke. Zur Herstellung des Eises nutzt Hej Eis Ökostrom. Warum er Eimsbüttel als Standort gewählt hat? „Weil es mein Viertel ist und einfach am schönsten ist“, sagt der Norddeutsche. Man spürt, er meint es ernst.

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