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Wie sieht die Zukunft der Osterstraße aus? Ein Rundgang mit Niels Annen

Wenn Niels Annen einmal im Jahr seine Sommertour macht, spricht er mit Bürgern, Initiativen und Einrichtungen in seinem Heimatbezirk Eimsbüttel. Annen ist SPD-Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Hamburg-Eimsbüttel, Staatsminister im Auswärtigen Amt und Mitglied im SPD-Parteivorstand. Am Morgen des 13. August traf er sich mit den Gewerbetreibenden der Osterstraße zu einem Rundgang durch das Einkaufsviertel. Im Zentrum standen dabei die Fragen: Welche Entwicklungen hat es im letzten Jahr in der Osterstraße gegeben? Und welchen Herausforderungen sehen sich Einzelhändler gegenüber?

Schicken statt shoppen

In einem sind sich die Einzelhändler der Osterstraße einig: Der Internethandel stellt die Geschäfte in Eimsbüttel vor große Probleme. Kunden würden immer weniger direkt im Laden einkaufen, sondern sich ihre Produkte bequem vom Sofa aus bestellen. Während die Konsumenten früher an Samstagen durch die Geschäfte schlenderten, liefen sie jetzt mit Paketen von oder zur Poststelle und „graben mit ihren Päckchen eine Schneise in die Menschen auf den Gehwegen“, so Arlette Andrae, Quartiersmanagerin im Verein Osterstraße e.V.

Immer mehr Geschäfte, darunter alteingesessene, müssten deshalb schließen. „Im Nachhinein sagen die Anwohner dann, wie schade es ist, dass es den Laden nicht mehr gibt“, sagt Renate Augustin, seit fast 35 Jahren Inhaberin des Geschäfts Pur Pur Wolle & Textilien, das in der Karl-Schneider-Passage sitzt. „Dass die Anwohner selbst seit zehn Jahren nicht mehr in dem Laden waren und so vielleicht auch dazu beigetragen haben, dass er schließt, scheinen sie dabei zu vergessen.“

Die Geschäftsstruktur der Osterstraße verändert sich

Aufgrund des hohen Drucks durch den Internethandel wandelt sich so das Erscheinungsbild der Osterstraße. Statt Geschäften siedeln sich immer mehr Friseure, Nagelstudios und Gastronomiebetriebe an. „Produkte jeglicher Art kann man einfach im Internet bestellen, aber einen Haarschnitt erhält man dort noch nicht“, erklärt Andrae. Wer sich heute selbstständig macht, setzt deshalb eher auf Dienstleistungen als ein Geschäft, das der Konkurrenz durch internationale Internetgiganten nicht standhalten kann. Einige Ladenflächen bleiben einfach leer.

„Der deutsche Einzelhandel ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, stellt Peter Witthöft, Geschäftsführer von Betten Sievers, fest. Das liege zum einen daran, dass Einzelhändler nicht auf die Bedürfnisse der Kunden eingingen und zum anderen an den schwierigen gesetzlichen Bedingungen. Nur vier Mal im Jahr dürfen Hamburger Geschäfte zum Beispiel ihre Türen an einem Sonntag öffnen. Die Termine werden von den Behörden festgelegt und sind nicht flexibel wählbar. Verkaufsoffene Sonntage sind zudem nur zulässig, wenn durch eine Veranstaltung größere Besucherströme zu erwarten sind. Quartiersvereine müssen deshalb oft zusätzliche Gelder ausgeben, um derlei Veranstaltungen zu organisieren. Amazon hingegen wirbt für reguläre Sonntage mit einem großen „Ausverkauf“.

Politik muss sich für kleine Unternehmer einsetzen

„In anderen Ländern hat man längst begriffen, dass es den Konsumenten von heute in erster Linie um ständige und direkte Verfügbarkeit geht“, erklärt Witthöft. Er selbst habe deshalb ein großes Depot an unterschiedlichen Waren angelegt, damit er Kunden nicht mit der Aussage „Das können wir Ihnen bestellen“ wegschicken muss. Seitdem läuft sein Geschäft deutlich besser. „Denn die Leute gehen ja noch gerne shoppen. Sie gehen nur nicht gerne umsonst irgendwohin“, so Witthöft.

Niels Annen: "Wir müssen die Attraktivität der Osterstraße erhalten." Foto: Catharina Rudschies Niels Annen: „Wir müssen die Attraktivität der Osterstraße erhalten.“ Foto: Catharina Rudschies

Niels Annen hört sich die Sorgen der Gewerbetreibenden geduldig an. „Die Osterstraße hat als Zentrum Eimsbüttels eine große gewerbliche Bedeutung“, sagt er. „Ihre Attraktivität müssen wir unbedingt erhalten.“ Für Annen war der Umbau der Osterstraße schon ein wichtiger Schritt in diese Richtung. „Die Politik muss sich aber noch mehr für die kleinen Unternehmer einsetzen, damit diese überleben können.“ Gleichzeitig seien aber auch die Anwohner gefragt. „Über Käufe bei Amazon können wir die Stadtteile so nicht erhalten. Und das ist auch nicht ökologisch. Ich bin aber optimistisch, dass die Eimsbütteler das auch wissen.“

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