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Sex, Gott und Opium – Tag des offenen Denkmals in der Großen Freiheit

Der Tag des offenen Denkmals in St. Pauli

Der Tag des offenen Denkmals in St. Pauli

Am Sonntag fanden nun zum dritten Mal zum „Tag des Denkmals“ Führungen über den Amüsierboulevard Große Freiheit statt. Bei spätsommerlichen Temperaturen fanden sich schon um 13 Uhr zahlreiche Interessierte auf dem Beatles-Platz ein und trugen sich die ausliegenden Listen ein. Die Idee dazu hatte vor zwei Jahren das BID-Reeperbahn. Da es aber im April nach fünf Jahren auslief, sorgt nun das Management von Olivia Jones für die historische Kontinuität. Zahlreiche freiwillige Tourguides unterschiedlicher Anbieter schickten die Besucher auf eine Zeitreise.

Zunächst wurde auf die Grenzsäule von 1848 aufmerksam gemacht, die markiert, wo das Herrschaftsgebiet der selbstständigen Stadt Altona begann zu dem auch die Große Freiheit gehörte. Dass die Bezirksversammlung von Hamburg-Mitte am 20.02.2014 einstimmig beschlossen hat, auch die im Museum für Hamburgische Geschichte lagernde die zweite Säule wieder herzustellen, stieß auf großes Interesse. Zumal in der Angelegenheit natürlich bisher nichts passiert ist.

Nach einer Fragerunde, warum denn auf dem Beatles-Platz fünf Figuren stehen und einige Beatles Fan natürlich wussten, dass die Band in Hamburg zu fünft ankam, ging es in die Straße, die ihren Namen erhielt, weil sie für Gewerbe- und Religionsfreiheit stand. Denn im Jahre 1601 hatte Graf Ernst von Schauenburg einem mennonitischen Händler François Noë gestattet, in Altona eine besondere Wirtschaftszone einzurichten.

Erster Stopp in der Straße war das Herrmann Bartels Haus in welchem es früher Pferdeshows und Damenschlammcatchen gab. Später hatte der Inhaber das Etablissement seinem Sohn Willi Bartels überlassen, der dort die Bikini Bar eröffnete. Männer konnten sich dort das Oberteil der Damen erangeln.
Wo heute das Dollhouse steht, ging es in 70ern verrucht zu. Der Live-Sex-Club Salambo mit seinem kongenialen Impressario Rene Durand war zeitweilig mit seinen Shows dort zu sehen. Viele ältere Besucher lächelten erfreut, waren sie doch auch regelmäßig Gäste gewesen. Doch bevor der Franzose seine Shows aufführte war das Gebäude schon in 20er Jahren ein verruchter Ort, denn dort hatten ansässige Chinesen das Tanzlokal Neu China eröffnet, von dem es hieß, es sei auch eine Opiumhöhle gewesen. Nach der Deportation der Chinesen durch die Nazis, ging das Gebäude in andere Hände und eröffnete als Striptease-Lokal neu.

In Olivias Show Club führte dann der Pressesprecher durch die Räume und zeigte auch die Garderobe der Kiez-Stars. Dabei sprach er auch die Philosophie des Hauses an, die auf Freiheit und Toleranz in Sachen Liebe fußt.
Das beliebteste Fotomotiv auf der Tour, Olivia war ja nicht da, war der legendäre Star Club Stein, der an die wilden acht Jahre erinnert, in denen Stars wie die Beatles, Jimi Hendrix, die Lords, Fats Domino in dem legendären Club spielten. Auf einer der mobilen Info-Tafeln war auch ein Motiv aus dem Club mit Wilfried Schulz – dem Paten von Sankt Pauli zu sehen.

Über die Große Freiheit 36 ging es dann in die Krypta von St. Joseph, wo Gemeindereferentin Evelyn Krepele übernahm. Auf der Straße erzählte sie von den Bombennächten, der Zerstörung des Gotteshauses und den herumliegenden Knochen Hamburger Würdenträger, die sich unter der Kirche hatten bestatten lassen. Einige der Gebeine, die bei Umbauarbeiten wiederentdeckt worden waren, sind jetzt in der neu geschaffenen Krypta zu sehen.
Die Katakomben waren dann auch der Endpunkt der Tour.