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Corona-Tagebuch: Ein Salat wie ich

Martin Busche zählt mit uns allen die Tage, die uns Corona stiehlt und führt ein öffentliches Tagebuch: subjektiv, ehrlich, schonungslos. Bis Corona uns hoffentlich scheidet.

Montag, 30. März

Also ich bin jetzt nicht so der Koch. Das würde ich nicht von mir behaupten. Eher im Gegenteil. Selbst Freunde, die es wirklich gut mit mir meinen, schimpfen mich in dieser Disziplin eine Null. Die sind nicht böse zu mir. Nur ehrlich.

Ich nehme das gelassen. Die einen fliegen von der Schule, wenn sie nichts können, sag ich mir. Ich eben aus der Küche. Vermutlich war ich im ersten Leben eh Küchenbulle. Ich kann mir zwar partout nicht merken, wie man eine Zwiebel so schält, dass dabei kein Hack rauskommt, sondern wohlgeformte Ringe oder gar diese stylishen Würfel. Dafür krieg ich aber jede Spülmaschine voll, kann Töpfe auskratzen in Echtzeit. Tische abwischen, Boden fegen, Besteck sortieren. Sowas.

Blöderweise stehen diese Kompetenzen deutlich im Schatten des aktuellen Coronavirus. Der verlangt auch den Eimsbüttelern Selbstversorgung ab. Fast Food ist out. McDonalds hat zu. Die besseren Restaurants sowieso. Auch den Lieferdiensten ist nicht zu trauen. Als ich mir kürzlich eine Portion Schupfnudeln mit Gulasch und Quark geordert habe, was Feines also, für teures Geld. Support your local Dealer. Da kam das Essen kalt. Der Laden hatte auf Gerichte zum Selberkochen umgestellt, lieferte nur die Zutaten. Hielt das wohl für eine Hammeridee. Ich nicht. Okay, das Rezept lag anbei, war auch mit im Preis. Aber überzeugt hat mich das Konzept nicht.

Auch ich muss also ab und an kochen und zwar möglichst gesund. Irgendwas mit Salat und Gemüse. Wennschon, dennschon. Nur wie und was; wenn man so gar keine Ahnung hat. Der Handel hilft da nur scheinbar weiter. Die Regale sind zwar voll, Rucola, Feldsalat, Eisbergsalat. Alles da. Salat kann man schlecht hamstern. Nur was tun mit dem ganzen Zeug?

Für Laien wie mich gibt es deshalb Salat in Tüten, fertig geschnippelt, gemischt. Praktisch. Doch da fängt das Problem an. Mal ehrlich: Würden Sie in diesen Zeiten den Fachverkäufer von Edeka bitten, Ihnen kurz den grundlegenden Unterschied zwischen „Country Salatmix“ aus der Kühltheke, „Süß und Knusprig“ aus dem Regal oder „Zart und Feurig“ von Florette zu erklären? Ich nicht. Also.

Jetzt rächt sich, dass ich schon früher mal nicht aufgepasst habe. Ich hab nämlich durchaus mal einen Kochkurs gemacht. Vor Corona natürlich. Der Virus hat zwar mein Kochproblem verschärft. Ausgelöst hat er es nicht. So viel Ehrlichkeit muss sein. „Kochen für Singles“ an der Volkshochschule hatte den Schwerpunkt aber weniger beim Kochen, mehr auf den Singles. Der Kurs war echt ein Flop. Nicht nur in gastronomischer Hinsicht.

Letztendlich habe ich mich für „Zart und Feurig“ entschieden. Aus der Serie „Emotions“. Der Name hat mich angesprochen, ein Salat wie ich. Jeder soll das kriegen, was am besten zu einem passt. Die Sauce aus Essig und Öl, Honig und Senf hab ich dann auch noch hingekriegt. Später. Das Rezept stand auf der Tüte. Hat sogar ganz gut geschmeckt. Mich motiviert. Beim nächsten Mal probier ich mal “Süß und Knusprig”. Guten Appetit.

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