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Corona-Tagebuch: Rettet die Wettbüros!

Martin Busche zählt mit uns allen die Tage, die uns Corona stiehlt und führt ein öffentliches Tagebuch: subjektiv, ehrlich, schonungslos. Bis Corona uns hoffentlich scheidet.

Montag, 27. April

Ey, du da? Ja, du da an der Ecke. Ich hab da einen heißen Tipp für dich. Bombensicher. Fußball in Nicaragua, erste Liga. “Deportivo Walter Ferretti gegen Diriangén FC”. Da geht nichts schief. Ich habe da Connections. Wetten? Auf jeden Fall: 300 Euro auf Sieg, 115 Euro auf erste Ecke in Minute zwölf, 75 Euro auf Keilerei in Block C.

Woher ich die Tipps habe? Sportwetten24.de, das, sagen wir mal, “Fachorgan” der Branche. Kannte ich vor Corona nicht, habe ich nach Corona auch wieder vergessen, doch während Corona vertreibt es mir die Zeit. Sportwetten 24.de weiß alles, was ich bislang nie wissen wollte, mir jetzt aber durch die schwere Zeit hilft, bis Saturn in der Mönckebergstraße wieder komplett aufmacht.

Charme einer Wartehalle

Verliert keine Zeit, vielleicht mal einen Fünfer auf Nigma gegen OG Speed für Dota 2, dem Nachfolger von Defense of the Ancients für Blizzward Entertainment Warcraft III oder LOL in der Türkei, ein Tipp für echte Kenner? Vorsicht aber vor Wetten bei der “König Pro League Global Tour Spring Upper”, da kenn ich mich nicht gut aus. Das ist Wissen fürs Leben. Ich war Samstag in Hoheluft einkaufen, 45 Menschen in einem Laden, wo schon sonst nur 40 rein sollten, um sich nicht zu erschlagen. Die nächste Corona-Welle kommt bestimmt.

Ich helfe ja immer gerne. Andere kochen für ihre Mitbürger, kaufen ein. Ich unterstütze die Wettmaf…  ach nee, die kleinen Wetterbüros. Sorry. Die hat ja sonst niemand im Blick. Ist ja auch klar, kommen sonst ja nie raus aus diesen gemütlichen Wettbüros mit dem Charme einer Wartehalle. Die sind jetzt zu, nix geht mehr.

„Shopping-Queen“ und Pferderennen aus Pakistan

Ich bin da auch gerne, wohne da auch, fast. Wo sollen wir sonst auch hin? Zu Hause guckt die Frau Fernsehen oder das Kind, oder beide. Den ganzen Tag Guido, “Shoppingqueen”, so ein Quatsch oder den “Bachelor”. Das ist nichts für Männer. Ich brauche mein Pferderennen aus Pakistan oder Sumo aus Südkorea. Vor allem die Sumos in groß sind ja immer einen Blick wert. Echte Pfundskerle und das live. Mega. Wo es das gibt? Nur im Wettbüro. Eben.

Ich mach mir echt Sorgen. Wenn das so weitergeht, stirbt eine ganze Branche, warnt der zuständige Bundesverband heute und mit ihr die deutsche Fußgängerzone, warne ich heute noch dazu. Das geht gar nicht. Fußgängerzonen sind das Herz der deutschen Wirtschaft und, Peter Tschentscher sei Dank, auch in Hamburg wieder schön voll. So wie früher.

Wettbüros sind systemrelevant

Nur die Wettbüros sind noch zu. Geht gar nicht. Das soll mir der Peter mal erklären. Ohne Wettbüros brauchen auch die Makler Staatshilfen. Da kommt eins zum anderen. Wer mietet dann noch all die Ecken an staubigen Hauptverkehrsstraßen, die zwar sauteuer sind, wo aber niemand parken kann, niemand parken will, wo man eigentlich nur weg will und deshalb auch schon die siebte “etwas andere Dönerbude” nicht lief.

Nur das Wettbüro bleibt, hält den Laden zusammen. Wettbüros sind absolut systemrelevant. Da gibt es nichts. Olaf Scholz muss helfen. Macht er bestimmt auch, der hilft ja jedem. Adidas, die jetzt schwere Not leiden, unsere Steuergelder brauchen, weil sie unmittelbar davor stehen, ihre millionenschweren Rücklagen anknabbern zu müssen. TUI, der Reisegigant, hat eine Milliarde Euro gekriegt, um das Eigenkapital von drei Milliarden frühzeitig aufzustocken. Das ist klug. Und die Wettbüros? Ich schlage jetzt Alarm, rufe ganz Deutschland zu: “Rettet die Wettbüros!”. Das hilft. Wetten? Komm, Armin Laschet, schlag ein.

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