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Eimsbütteler Autor Paul Allgäuer über den „Davos Marathon“

Ende Dezember ist der erste Kriminalroman des Eimsbütteler Autors Paul Allgäuer erschienen. Passend zum heute endenden Weltwirtschaftsforum schickt Allgäuer die Protagonisten auf eine Mission in Davos.

„Hast du die Betäubungsspritze dabei?“ „Darauf kannst du dich verlassen. Zur Sicherheit habe ich zwei präpariert. Vielleicht hat er zugenommen und wir benötigen eine stärkere Dosis.“

Gregory und Adam wollen einen Pharmariesen stürzen. Beide waren früher Ärzte beim Militär und wollen nun eine alte Rechnung begleichen. Der Geschäftsführer eines Pharmakonzerns führte zweifelhafte Medizinstudien durch. Die beiden Senioren wollen die Opfer der Studien mit Geld entschädigen. Dafür reisen sie zum Weltwirtschaftsforum nach Davos und entführen den Sohn des Geschäftsführers.

Zwei Rentner auf der Weltwirtschaftskonferenz

3.000 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutieren jährlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos über globale Fragen. Mit der Veranstaltung ist ein riesiger Sicherheitsapparat verbunden. Das hält die beiden Protagonisten aber nicht davon ab, mit falscher Identität dorthinzureisen. Obwohl sie keine Helden im herkömmlichen Sinn sind:

„Adam hatte bereits ein angeschlagenes Herz und Gregory wusste, dass seine mangelnde Fitness und seine Trinkgewohnheiten keine ideale Voraussetzung für diese Aktion waren. Sollte etwas schiefgehen, mussten sie keinen Herzanfall simulieren, es war wahrscheinlicher, dass sie tatsächlich einen erleiden würden.“

Wie Pat und Patterchen

Der „Davos Marathon“ ist das erste Buch des Eimsbütteler Autors Paul Allgäuer. So kriminell das Vorgehen der Rentner ist, Allgäuers ironische Beschreibungen machen die beiden sympathisch. Wenn er an sie denkt, habe er Pat und Patterchen im Kopf, erzählt er. In der Stummfilmreihe, die die Komiker Carl Schenstrøm und Harald Madsen zwischen 1921 und 1940 drehten, mischen sich die beiden Protagonisten auf groteske Weise in das Leben ihrer Mitmenschen ein.

Gregory und Adam machen Dinge, die sich Allgäuer nicht trauen würde. Während der Eimsbütteler Autor die beiden mag, hat er auch eine „Hassfigur“ im Buch: den Geschäftsführer des Pharmakonzerns. Ihn kann Allgäuer so wenig leiden, dass er ihm nicht einmal einen Namen gab: „Das ist er nicht wert“, sagt der Autor.

Im Abenteuer von Gregory und Adam geht es wie bei einem Marathon darum, am Ziel anzukommen. Was ist aber, wenn einer der Entführer ein Vater-Sohn-Verhältnis zu seinem Opfer entwickelt? Oder plötzlich die eigenen Kinder auftauchen?

Viel Trubel in Engadin und Eimsbüttel

Als er das Buch geschrieben habe, sei sein Schreibtisch voll mit Zeitungsausschnitten, Büchern und Karten gewesen, erzählt Allgäuer. „Das ist ein ständiges Hin und Her zwischen Recherchieren und Schreiben.“ Der „Davos Marathon“ ist angeleht an Medizinstudien mit Militärangehörigen.

Auch die Burg im Schweizer Hochtal Engadin, wo Gregory und Adam ihr Entführungsopfer verstecken, steht tatsächlich dort. Allgäuer hat sie selbst besucht. In Engadin fühlt er sich sehr wohl und war dort schon zum Skifahren. Die Burg habe ihn besonders fasziniert. So ist die Idee entstanden, die Geschichte hier spielen zu lassen.

Das Buch lebt von den genauen Beschreibungen der Gegend und Personen. Immer wieder habe sich Allgäuer klarmachen müssen: „Wie groß ist der Protagonist? Wie sehen seine Haare aus?“ Sonst werde der Blonde schwarzhaarig und der Langhaarige bekommt kurze Haare, lacht der Autor. Er ist studierter Soziologe, arbeitet als Dozent und Marktforscher. Beschreibungen kennt er aus der Wissenschaft. Aber das wissenschaftliche Schreiben sei nicht vergleichbar mit einem Roman.

„Alle Dokumente zum ‚Davos Marathon‘ sind jetzt im Müll“, sagt Allgäuer. Er musste Platz schaffen für sein nächstes Buch: den „Silvester Marathon“, der sich um einen Silvesterabend drehen soll. Gregory und Adam wären überrascht, wenn sie wüssten, dass es beim Weltwirtschaftsforum heute vor allem um das Klimathema geht. Ihn freue das sehr.

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