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„Eine Armee an Krebsbekämpfern“: Eimsbüttelerin will Menschen mit Krebs helfen

Raus aus der Tabuzone: Eine Eimsbüttelerin erstellt einen Videokurs für Krebskranke. Sie will Betroffene, Angehörige und Freunde motivieren.

Stéphanie Diederichsen läuft am Abend ihrer Brustkrebs-Diagnose um den Weiher in Eimsbüttel. Nach einer halben Stunde ist sie körperlich erschöpft, aber sie fühlt sich gut. Fünf Jahre später sitzt Diederichsen in ihrer Designagentur hinter einem Laptop. Die Eimsbüttelerin hat den ersten Videokurs für Menschen mit Krebs im deutschsprachigen Raum entwickelt. In zehn Modulen berichtet sie von ihren Erfahrungen und Forschungsergebnissen.

Vom Schock der Diagnose zur Selbstinitiative

Bereits vor ihrer Diagnose war sie körperlich angeschlagen. Über mehrere Monate hinweg habe sie sich schlapp, antriebslos und traurig gefühlt, erklärt die Agentur-Inhaberin. Ihr Hausarzt vermutete, dass die junge Frau mit einem kleinen Sohn und einer Agentur mit mehreren Mitarbeitern, überanstrengt ist – im Fachjargon einen Burnout hat. Tatsächlich waren dies bereits die ersten Anzeichen ihrer Krebserkrankung.

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An den Tag ihrer Diagnose erinnert sich Diederichsen sehr gut. Die Frauenärztin entdeckte beim Routinetermin etwas „Auffälliges“ in ihrer Brust und schickte sie zum Onkologen. 24 Stunden später erhielt sie die Bestätigung: aggressiver, wachsender Tumor in der Brust. Sie habe sich gedacht: „Ich will nicht sterben. Ich will mein Kind aufwachsen sehen. Ich habe noch so viel vor.“ Sie wollte aus diesem Alptraum wieder aufwachen, sagt Diederichsen.

Eine befreundete Ärztin, die ihren Schwerpunkt auf traditionelle chinesische Medizin legt, machte ihr Immunsystem mit Kräuterpresslingen fit für die Chemotherapie. Diederichsen zog ihre Laufschuhe wieder an, nachdem sie zehn Jahre lang nicht mehr joggen war. Im Eimsbütteler Turnverband besuchte sie einen Qigong-Kurs. „Krebs und Bewegung gehen ganz stark Hand in Hand. Das ist ein tolles Präventionstool, aber auch während der Therapie super, um den Körper zu stärken“, erklärt sie.

Diederichsen recherchierte zu ihrer Erkrankung

Ihr Tumor sei so kompliziert gewesen, dass sie zuerst gar nicht verstanden habe, was ihr die Onkologen im Brustkrebszentrum erzählten. Irgendwann habe sie gefragt: „Was kann ich tun?“ Ein Onkologe habe ihr viel über Ernährung berichtet. Die Agentur-Inhaberin ernährte sich nährstoffarm: Morgens ein Franzbrötchen und ein Latte Macchiato, mittags Nudeln mit Pesto und abends ein Sandwich. „Mir hat sich eine neue Welt aufgetan“, lacht Diederichsen.

Stéphanie Diederichsen will mit ihrem Online-Kurs Mut machen. Foto: Stéphanie Diederichsen

Sie habe nicht gewusst, was eine nährstoffarme Ernährung mit dem Körper machen kann. „Jede Zelle unseres Körpers ist aus den Bausteinen unserer Nahrung gemacht“, erklärt Diederichsen. Ein Onkologe habe ihr einen Stapel Bücher gegeben. Diederichsen recherchierte, wie sie ihren Körper stärken kann.

Ein Online-Videokurs zum Thema Krebs

Von ihren Freunden habe sie oft gehört, dass es ihr während der Chemotherapie verhältnismäßig gut ging. In ihrem Bekanntenkreis war Diederichsen eine Anlaufstelle für Menschen, die an Krebs erkrankten. Vor einem Jahr entschied sie sich dazu, ihr Wissen mit mehr Menschen zu teilen. Sie erstellte den ersten Online-Videokurs für Krebspatienten im deutschsprachigen Raum.

Der Verein Lebensheldin, der sich für Frauen nach einer Brustkrebsdiagnose engagiert, unterstützte sie mit einem professionellen Kamerateam. Der Drehort war Diederichsens Wohnung. In zehn Modulen gibt es 37 Videos zwischen fünf bis acht Minuten, Infomaterial und Rezepte. Fast eineinhalb Jahre Recherche stecken in den Kapiteln, die sich mit Ernährung, Sport, Angst- und Stressbewältigung sowie Vergebung beschäftigen.

Krebs sollte kein Tabuthema sein

Während einer Krebserkrankung werden Patienten und ihre Angehörigen immer wieder mit der eigenen Angst konfrontiert. „Du stehst mit deinem kleinen Kind im Supermarkt an der Kasse und liest: Moderatorin an Krebs gestorben“, sagt Diederichsen. In diesem Moment sei es ihr heiß und kalt den Rücken heruntergelaufen. Für solche Augenblicke will sie Betroffene und Angehörige mit Tools unterstützen.

Das Wissen aus ihrem Kurs sei im Internet vorhanden, sagt Diederichsen bescheiden. Aber es sei schwierig, eine Auswahl zwischen den Blogs und Artikeln zu treffen. Sie wolle mit ihrem Kurs Denkanstöße geben. „Ich will das Thema aus einer Tabuzone herausholen“, erklärt Diederichsen. Sie sehe sich nicht als Kranke, sondern als Stéphanie. In ihrem Umfeld habe sie eine „Armee an Krebsbekämpfern“ an ihrer Seite gehabt. Jetzt will sie Menschen mit Krebs, Angehörige und Freunde motivieren, damit sie sich weniger hilflos fühlen.

Auf der Seite www.diagnosegesundundgluecklich.de ist der Kurs bis 30.11.2019 für 79 € statt 149 € erhältlich.

Der Beitrag „Eine Armee an Krebsbekämpfern“: Eimsbüttelerin will Menschen mit Krebs helfen erschien zuerst auf Eimsbütteler Nachrichten.