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„Hamburger Seifenkontor“: Seife satt, doch Existenz gefährdet

Es ist paradox: Hände waschen kann zurzeit Leben retten. Doch im Hamburger Seifenkontor herrscht tote Hose.
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Andere hätten längst “Dollaraugen”, witterten das große Geschäft. Karsten-Wolfgang Kurth bleibt lieber sauber. Dabei verkauft der Geschäftsmann derzeit neben anderen Produkten rares Gut: Reine Pflanzenseife, unverpackt und palmölfrei. Eine für alles, für den ganzen Körper.

Entsprechend groß ist die Nachfrage. Apotheken und Online-Großhändler fragen an, wollen den gesamten Bestand leer kaufen, würden dafür Mondpreise bezahlen. Kurth, Inhaber des Hamburger Seifenkontor in der Oberstraße, lehnt das ab.

„Wir bleiben unserer Linie treu und verkaufen weiterhin nur an Endkunden”, so Kurth gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten. Genau das bringt ihn nun in finanzielle Nöte. Seine Drogerie hat zwar weiter auf, doch kaum noch Kunden. Er versteht nicht, warum die Menschen in den Supermärkten um Seife „kämpfen“, während bei ihm alles vorhanden ist.

„Gut für die Umwelt, gut für die Haut“

„Am liebsten kaufen die Kunden unsere Bodylotionseife“, erklärt er. Die Seife enthält einen hohen Anteil an Bio-Sheabutter, dadurch fühlt sich die Haut wie eingecremt an. Die Seife sei besonders für Berufstätige geeignet, die oft Desinfektionsmittel verwenden müssen, wie Kassierer oder Ärzte.

Im Hamburger Seifenkontor gibt es neben Seifen auch Kerzen, Badekugeln, Cremes und Waschmittel. Foto: Hamburger SeifenkontorIm Hamburger Seifenkontor gibt es neben Seifen auch Kerzen, Badekugeln, Cremes und Waschmittel. Foto: Hamburger Seifenkontor

Für die Seifen verwendet Kurth Olivenöl, Kokosöl, Bio-Sheabutter, Farbstoffe und Duftstoffe. Außerdem plant er eine neue Serie: 100% Natur. In dieser werden keine Duft- oder Farbstoffe verwendet.

Sohn liefert mit Vespa aus

„Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein reines Stück Pflanzenseife ausreichend ist, um Hände, Türklinken oder Sonstiges zu desinfizieren“, so Kurth. Seifenmoleküle lösen die Fetthüllen von Viren vollständig auf, wenn man sich 20 Sekunden die Hände wäscht. Ein Stück Seife könne außerdem keine Viren von einer Hand auf die andere übertragen, wenn sie von mehreren Personen genutzt wird.

Der Eingang des Geschäfts in der Oberstraße ist etwas versteckt. Foto: Hamburger SeifenkontorInhaber Kurth ist zuversichtlich. Foto: Hamburger SeifenkontorFotos: Hamburger Seifenkontor

Viele Kunden sind laut Kurth unzufrieden mit Paketzustelldiensten. Deshalb liefert nun sein 17-jähriger Sohn mit einer Vespa aus. Gegen eine geringe Zustellpauschale bietet der Hamburger Seifenkontor eine kontaktlose Lieferung im Hamburger Stadtgebiet an. An einem Onlineshop arbeiten sie noch.

Produktion in Marseille

Die Seife produziert die deutsch-französische Familie in Hamburgs Partnerstadt, Marseille. Dort arbeiten sie mit einer kleinen Seifensiederei zusammen. „Ein- bis zweimal im Jahr fahren wir in den Hamburger Schulferien nach Frankreich, um gemeinsam mit der Siederei zu produzieren.“

Kurth entschied sich wegen des Zugangs zu Rohstoffen und der jahrelangen Erfahrung für die Siederei in Marseille. Weil der Ladeninhaber die Produktion aber vorfinanzieren muss, gerät er nun in finanzielle Nöte.

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