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Henning Karl: Musik zwischen den Dingen

Henning Karl war lange mit seiner Band „Karlson“ in norddeutschen Clubs unterwegs – nun veröffentlicht er seine erste EP „Lebenszeichen“ als Solokünstler. Ein Gespräch über das Leben zwischen Stadt und Land, Band und Solokünstler und zwischen den Jahrtausenden.

„Geile Mucke hier.“ Henning Karl hat es sich auf einem der Sofas im Lal Pera gemütlich gemacht, im Hintergrund läuft ein Song von Al Green. „Immer wenn der kommt, weiß ich sofort: Flensburg, erste WG, ich mach mich fertig für die Party.“

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Die WG-Zeiten sind vorbei, mittlerweile wohnt Henning Karl alleine in seiner Wohnung in Eimsbüttel. Und auch sonst hat sich viel bei dem 33-jährigen Singer-Songwriter getan: nach vier Jahren mit seiner Band „Karlson“ veröffentlicht er im Februar seine erste EP als Solokünstler.

Ende der Bandzeit als Startschuss für’s Solo-Projekt

Die Deutschpop-Band „Karlson“ hat Henning mit Freunden in Hamburg gegründet. Gemeinsam veröffentlichten sie zwei EPs und spielen über hundert Konzerte – auf kleinen Bühnen, aber auch auf dem Hafen-Geburtstag oder dem Rock-Spektakel.“Das war eine wahnsinnig tolle Zeit“, erzählt der Musiker über das Touren mit der Band. Doch irgendwann fordern Berufs- und Familienleben einiger Bandmitglieder mehr Zeit ein. „Plötzlich hatten wir alle mehr Termine als Zeit und nicht mehr Zeit als Termine.“ So wurde das Releasekonzert zur zweiten EP auch das Abschlusskonzert von „Karlson“.

Von der Ostsee nach Eimsbüttel

Nach dem Ende der Bandzeit nimmt sich Henning Karl Zeit zum Sammeln und Nachdenken. Schnell wird ihm klar, dass er wieder unter eigenem Namen Musik machen will – der Startschuss für die Arbeit an der ersten Solo-EP. Im letzten Mai hat er mit den Aufnahmen begonnen und ist wieder zu seinen musikalischen Wurzeln zurückgekehrt: Text und Gitarre – keine Computereffekte. „Alles, was man auf dieser EP hört, ist Instrument“, erzählt Henning stolz.

Mit dem Gitarrespielen hat er erst in der 10. Klasse begonnen. „Vorher habe ich unendlich lange Blockflöte gespielt“, erzählt er lachend. In seiner kleinen Heimatstadt Kappeln an der Ostsee fängt er an eigene Texte zu schreiben, hört viel Hip-Hop und es entstehen erste eigene Songs. Nun ist Eimsbüttel Heimat seines kreativen Schaffens geworden. Auch als Landei fühle er sich wohl im Stadtteil, erzählt Henning. „Das Schöne an Eimsbüttel ist gerade diese bewahrte Ländlichkeit.“

Generation „Schnittstelle“

Das Thema Heimat beschäftigt Henning in seinen Texten immer wieder – auch auf der „Lebenszeichen“-EP besingt er seine Kindheit an der Küste. „Ich sehe meine Generation immer als Schnittstelle zwischen neuen und alten Sachen“, beschreibt er das Erwachsenwerden zwischen zwei Jahrtausenden. Auch darum geht es in den neuen Songs: das Aufwachsen zwischen Bücherstapeln und Internet, selbstgekochtem Essen und Fast-Food und die erste SMS.

Die EP nutzt Henning Karl aber auch zur ehrlichen Selbstreflektion, wie im Song „Alle Orakel“. „Ich bin ein sehr zweifelnder Mensch“, erzählt er. Das habe zwei Seiten: Manchmal sei das ein ganz schönes Hindernis, manchmal wirke es aber auch wie ein schützender Airbag. Es sei ihm wichtig, ehrlich mit sich selbst und seinen Ängsten zu sein. Auch musikalisch.

„Wie ein Insekt im Bernstein“

Mit dem Solo-Projekt sei es ihm möglich, so persönliche Themen auf die Bühne zu bringen. Alleine fühlt er sich dabei trotzdem nicht: „Das ist viel mehr als eine One-Man-Show, auch wenn da mein Name draufsteht“, erklärt Henning. Das Projekt sei in enger Zusammenarbeit mit vielen Freunden und Bekannten entstanden, die ihn bei den Aufnahmen und der Produktion unterstützt haben. Ein ehemaliger Bandkollege spielte den Bass ein, eine Freundin unterstützte am Cello – am Ende sei fast ein richtiger Bandsound entstanden. Ein Neuanfang sei die EP deswegen nicht, aber eben auch kein nahtloses Anknüpfen an die Zeit mit „Karlson“, sondern „ein bisschen was dazwischen“.

Nach neun Monaten sind die Arbeiten an der EP nun abgeschlossen. Henning Karl beschreibt sich selbst als Perfektionisten. Die Songs in ihrer endgültigen Form zu manifestieren, sei deswegen ein besonderer Moment: „Vorher ist alles so schwammig und dann plötzlich ist es für die Ewigkeit. Wie ein Insekt, das im Bernstein eingeschlossen ist.“

Releasekonzert am 21. Februar

Am 21. Februar spielt Henning Karl die neuen Songs vor Publikum – dann lädt er zum Release-Konzert ins Birdland. Auf den Abend freut er sich schon jetzt. „Das Konzert ist für mich eine Belohnung für alle Mühen der letzten Monate“. Natürlich schwinge auch Nervosität mit. Aber die blendet Henning erstmal aus.“Ich möchte einfach einen Abend mit Freunden verbringen und dabei ein paar neue Songs spielen“, erzählt er und lächelt.

Mit der ersten EP soll noch nicht Schluss sein, Henning Karl feilt schon am ersten Album. Das genau Hinhören wird sich lohnen. Wie in vielen Fällen ist es nämlich auch hier so: die Zwischentöne machen die Musik.

Der Beitrag Henning Karl: Musik zwischen den Dingen erschien zuerst auf Eimsbütteler Nachrichten.