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Mittagstisch aus dem Fenster: „Futterluke“ eröffnet in Eimsbüttel

Das Inklusionunternehmen „Osterkuss“ liefert Catering aus – dann lässt Corona die Umsätze einbrechen. Mit ihrem neuen Projekt „Futterluke“ bringen sie ihr Essen jetzt aus dem Fenster an die Gäste.

„Einmal Flammkuchen!“ Mitarbeiterin Sophia befestigt einen Korb an einem langen Stab mit Haken. Vorsichtig führt sie ihn über die Ladentheke, unter ihr nehmen drei Gäste ihr Mittagessen entgegen.

In der Futterluke kommt das Essen nicht per Tablett an den Tisch, sondern kontaktlos aus dem Fenster zu den Gästen. Das Konzept ist ungewöhnlich, aber es scheint zu funktionieren. Schon am dritten Tag nach Eröffnung bilden sich Schlangen auf dem Parkplatz in der Stresemannallee.

Umsatzrückgang durch Corona

Betrieben wird die Futterluke von einem Inklusionsunternehmen, der Osterkuss GmbH. Hier arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung in verschiedensten Bereichen zusammen – vor allem finanziert sich das Unternehmen aber über Catering. Die Corona-Krise habe sie hart getroffen, berichtet Projektleiter Tarek Aly. Fast alle gebuchten Großveranstaltungen des Sommers wurden abgesagt. Und auch Firmen cancellten ihre Aufträge, als sie in den Tagen des Lockdowns auf Homeoffice umstellten.

Tarek Aly ist Projektleiter bei "Osterkuss".Tarek Aly ist Projektleiter bei „Osterkuss“. Foto: Alana Tongers

Die Folge: ein deutlicher Umsatzrückgang. Bis heute sind viele Mitarbeitende von Osterkuss in Kurzarbeit. Zwischenzeitlich seien von den rund 50 Mitarbeitern nur noch drei bis vier vor Ort gewesen. „Das war schon ein erschreckender Anblick, als ich ins Büro gekommen bin“, erinnert sich Tarek Aly.

Vom Büro zur „Futterluke“

Es musste also eine neue Idee her um die „Sparflamme zu überwinden“, erzählt Aly. Vor gut einem Monat kommt der Vorschlag zur Futterluke dann von seiner Geschäftsführerin: Warum nicht einfach die Gerichte, die sonst über Catering ausgeliefert werden, aus den Osterkuss-Räumlichkeiten in der Stresemannallee verkaufen?

Innerhalb weniger Tage verschwinden Schreibtische und Aktenordner aus dem Büro der Geschäftsführerin und werden durch Regale für Geschirr und einen Buffetwagen ersetzt. Das Projekt Futterluke sei in kürzester Zeit und mit wenig Budget entstanden, so Aly. „Nur unsere Geschäftsführerin musst in einen anderen Raum umziehen“, fügt er schmunzelnd hinzu.

Mittagstisch für die Stresemannallee

Jetzt wandern von 11:30 Uhr bis 14:30 Uhr verschiedenste Mittagstische aus dem Fenster. Zur Auswahl stehen täglich wechselnde vegetarische und fleischhaltige Gerichte, daneben gibt es Wraps und Flammkuchen.

Futter? Hier entlang!Futter? Hier entlang! Foto: Alana Tongers

Am Projekt wirken jetzt auch viele mit, die wegen fehlender Aufträge lange Zeit nicht arbeiten konnten. Trotzdem ist die Futterluke nicht nur Hilfe zur Selbsthilfe, sondern will auch eine Lücke in der Nachbarschaft rund um die Stresemannallee füllen. „Hier gibt es so viele Unternehmen, aber kaum eine Möglichkeit Mittag zu essen“, meint Tarek Aly.

Wenn das Projekt gut ankommt, wollen er und seine Kollegen die Futterluke längerfristig neben dem Cateringgeschäft betreiben. Die Schlangen der ersten Tage dürften ihn hoffnungsvoll stimmen.

Futterluke, Stresemannallee 88

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