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Open Air am Volkspark – und Eimsbüttel hört mit

Zwei Jahre gab es keine Open-Air-Konzerte im Volkspark. Jetzt finden sie wieder statt – doch das finden nicht alle Eimsbütteler gut. Denn die Musik ist im Viertel deutlich zu hören.

Schrecklich, nervig, wunderbar, grandios – die Meinungen zu dem, was Eimsbüttel seit Beginn der Freiluft-Konzertsaison erlebt, könnten unterschiedlicher nicht sein. In den sozialen Medien wurden die Auftritte der Toten Hosen und Marteria beim Open Air am Volkspark vergangene Woche viel diskutiert.

Vor allem zwei Fragen treiben die Eimsbüttelerinnen um: Warum ist die Musik vom vier Kilometer Luftlinie entfernten Volksparkstadion sogar in Eimsbüttel zu hören? Und war das früher auch so laut? Die Eimsbütteler Nachrichten sind der Sache nachgegangen.

Wummernde Bässe und lauter Gesang

Zunächst die Fakten: Ja, es war tatsächlich das Konzert der Toten Hosen am Donnerstag und von Marteria am Samstag, das dem Vernehmen nach sogar bis zur Wrangelstraße und Bundesstraße zu hören war. Die Musiker haben auf einer Open-Air-Bühne vor dem Volksparkstadion gespielt. Nicht im Stadion, sondern auf dem Parkplatz „weiß“.

Bei den Eimsbüttelern riefen die wummernden Bässe und der laute Gesang unterschiedliche Reaktionen hervor. So fühlte sich Vivien Busch aus dem Brunckhorstweg in Stellingen keine Spur gestört. Und von den anderen Veranstaltungen im Stadion übrigens auch nicht. „Wenn Westwind ist, höre ich auch den HSV“, sagt sie.

Open Air auf dem heimischen Balkon

Dass sie die Konzerte quasi live und kostenlos vom heimischen Balkon aus mitverfolgen kann, wertet sie als Pluspunkt. Schwierig mit dem Einschlafen wird es für sie nicht: „Um 23 Uhr ist ja Schluss.“

Eine Anwohnerin aus der Emilienstraße ist gänzlich anderer Ansicht. Auch sie hat die Konzerte in der vergangenen Woche mitbekommen und fühlte sich durch das durchdringende Wummern körperlich regelrecht beeinträchtigt. Die 57-Jährige, die seit 30 Jahren an der Straße wohnt, ist sich sicher, dass die Musik vom Volkspark früher nicht so laut zu hören war.

19 Beschwerden beim Bezirksamt eingegangen

Zudem befürchtet sie, dass die wohl offiziell geduldete Lärmbelästigung der Open-Air-Konzerte dazu führt, dass sich andere Menschen weniger an die Regeln des Zusammenlebens halten und ihre Musik zu Hause lauter aufdrehen. „Für mich war es einfach schrecklich.“

Dass die 57-Jährige mit ihrem Empfinden nicht alleine ist, zeigt die Zahl der Beschwerden, die beim zuständigen Bezirksamt Altona eingegangen sind: 19. Beim Bezirksamt Eimsbüttel waren es fünf, die nach Altona weitergegeben wurden.

Bürger sollen sich an die Polizei wenden

Altonas Bezirksamtssprecher Mike Schlink verweist dabei auf den gesetzlich anerkannten Gutachter, der bei Anwohnerbeschwerden zusammen mit der Polizei bereitsteht. Der Gutachter begebe sich an den Beschwerde-Ort, um dort den Geräuschpegel zu messen. „Bei Lärmbeschwerden über Konzerte sollten sich Bürgerinnen und Bürger während der Veranstaltung an die Polizei wenden“, empfiehlt Schlink.

Bei sogenannten „seltenen Störereignissen“, zu denen die Konzerte im Volkspark oder auf dem Gelände der Bahrenfelder Trabrennbahn zählen, dürfen 70 dB (A) bei den Anwohnern nicht überschritten werden. „dB (A)“ steht für die Maßeinheit des Schalldruckpegels nach der international genormten Frequenzbewertungskurve A.

Konzerte auf der Volksparkbühne sind an strenge Auflagen geknüpft. Foto: Christiane Tauer

Insgesamt sind nicht mehr als 18 dieser „Störereignisse“ pro Jahr zulässig. Diese sind zeitlich auf 23 Uhr begrenzt. All diese Auflagen seien seit Jahren ebenso unverändert wie die zugrundeliegenden Regularien, erklärt Schlink.

Das Gefühl vieler Bürgerinnen, dass der Lärm zugenommen habe, dürfte also eher ein persönliches Empfinden sein – vielleicht aufgrund der langen Corona-Ruhephase.

Westwind hat Schall weitergetragen

Allerdings räumt auch Schlink ein, dass der starke Westwind letzte Woche die Ausbreitung des Schalls verstärkt haben könnte: „Wind trägt durchaus dazu bei, dass Musik über größere Entfernung wahrgenommen wird.“

Da Wind jedoch nicht planbar sei, könne er keine Rolle bei den Lärmschutz-Auflagen spielen. „Wichtig ist, dass überall – unabhängig von der Windrichtung und -stärke – die zulässigen 70 Dezibel eingehalten werden.“

Durchgehende Messungen bei Open-Air-Konzerten

Das war der Fall, wie die Veranstalter von STP Hamburg Konzerte GmbH gegenüber den Eimsbütteler Nachrichten betonen. „Wir halten uns an die gesetzlichen Vorgaben und arbeiten eng mit den Behörden der Stadt und des Bezirkes zusammen.“ Bei den Veranstaltungen gebe es eine durchgehende Messung – sowohl vor Ort als auch in den Wohngebieten.

Die Open-Air-Fläche vor dem Volksparkstadion sei ein jahrelang erprobter Ort für Konzerte, die grundsätzlich ein „wichtiger kultureller Bestandteil der Stadt Hamburg“ seien. Dass es zu Beschwerden und Diskussionen kam, habe man mitbekommen. „Wir hoffen sehr auf das Verständnis der Anwohnerinnen und Anwohner, dass es an den wenigen Tagen im Jahr etwas lauter werden kann.“

Im August kommt: Scooter

Die Nagelprobe gibt es noch in dieser Woche: Am Donnerstag, Freitag und Samstag stehen weitere Konzerte im Volkspark an. Im August folgt der Hamburger Konzertsommer mit drei Veranstaltungen auf der Bahrenfelder Trabrennbahn. Schlusspunkt am 27. August: Scooter. Ob Eimsbüttel da wieder mithören darf?

Der Beitrag Open Air am Volkspark – und Eimsbüttel hört mit erschien zuerst auf Eimsbütteler Nachrichten.