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BMW: Konzepte lassen tief blicken – vor allem in die Vergangenheit

Vor einer Woche gab es auf der Eurobico einige tolle E-Bikes zu bestaunen. Vom stylischen „Chopper“ über Holz– und Bambus-Rahmen gewaltigen Lastenrädern und sportlichen Gravel-E-Bikes gab es eine riesige Bandbreite an Modellen, die auf der Händlermesse in den Markt gepumpt wurden. BMW hat ein paar Tage später zwei E-Gefährte vorgestellt, die es auch auf der Eurobico schon zuhauf gab: einen klappbaren E-Scooter und ein Lasten-E-Bike mit wechselbarem Modul für unterschiedliche Einsatzgebiete. 

Das Problem: BMW hat keine marktfertigen Gefährte vorgestellt, sondern Konzepte. Die beiden haben praktisch keine technischen Daten zu bieten und werden definitiv so nicht auf den Markt kommen. BMW berichtet jedoch, dass es für das E-Trike Interessenten für eine Lizenzierung gebe. Aus der Autobranche kennt man solche Concept-Cars. Sie zeigen in normalerweise, was möglich wäre, wenn man ein paar Regeln beispielsweise der Straßenverkehrsordnung oder der Marktwirtschaft weglässt. Dann kommen meist aufregende Boliden mit einer gewissen Faszination zustande. 

Das will BMW wohl auch auf den Mikro-Mobility-Bereich übertragen. Hier staunt aber niemand über ein neues Dreirad, nur weil man eine Wechselbrücke installiert hat. Dazu bleiben die Kinnladen der Beobachter bei einem klappbaren E-Scooter auch noch geschlossen. Und: Hier hat es BMW nicht mit einer ehrfürchtigen Konkurrenz zu tun, der die Einnahmen wegbrechen, weil sich ein deutscher Hersteller ins gleiche Marktsegment mischt. Und hier sind die Entwicklungszeiten deutlich kürzer und die Mitbewerber höchst agil. Dazu drängen Start-Ups und alteingesessene Unternehmen als Quereinsteiger auf den Markt. 

12 kg leichtes Bambus-Bike von my Boo

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Was will BMW beweisen?

Was will BMW mit den lieblos gestalteten und offiziell ohne jede technische Idee ausgestatteten Konzepten also ausdrücken? Offiziell will BMW damit Ideen für die Stadtmobilität der Zukunft stimulieren. Und selbstverständlich müssen sich Dickschiffe des Mobilitätsmarktes wie BMW über Mikromobilität Gedanken machen. Denn die Zukunft des Verkehrs wird nicht auf einer Sorte, sondern aus einem Mix aus Vehikeln bestehen. Das E-Bike wird dort genauso wie ein E-Scooter, autonome Busse, Autos und Züge zu finden sein. Doch ist es das, was BMW mit den Konzepten erreicht?

Viel Realistischer zeigt man damit, dass man beim Thema Mikromobilität circa 5 Jahre hinterher hängt. Das Ganze wäre wohl nur halb so peinlich, wenn man nicht die Funktionen der Konzepte als Innovation verkaufen wollen würde. Das Zusammenklappen des E-Scooters ist eben keine Innovation, zumindest keine der BMW-Konzepte. Auch der Mix aus Lastenrad und agilem Stadtrad, wie es im „Concept DYNAMIC CARGO“ angepriesen wird, ist keine Innovation. Er ist längst gängige Praxis. Wer so etwas will, kann beispielsweise auf die Einspur-Lasten-E-Bikes von Benno zurückgreifen oder holt sich ein CaGo.

Johansson

Johansson

Alte Ideen – ohne Konzept

Solche Funktionen und Ideen gibt es nicht nur schon lange, es ist zudem längst etabliert im Markt. Warum sollte also die Gesellschaft darauf warten, bis die BMWsche Stimulation der Ideen Früchte trägt? Sie kann sich auch heute schon die dritte Generation des Mi Scooters kaufen. Wenn es Cargo sein soll, geht das auch. Mit den variablen Aufbauten eines Hägars von Johansson kannst du heute schon bis zu acht Kinder transportieren. 

Wenn BMW also wirklich Interesse an der Mobilitätswende zeigen, neue Ideen generieren und etwas bewegen will, hat es hier im besten Fall nicht geklappt, weil man zu spät dran ist. Im schlechtesten Fall sind solche Konzepte Vehikel zum Abstreifen des Benzingeruchs in der Öffentlichkeit. Ob das so aber klappt darf bezweifelt werden. Denn diese Konzepte wirken nicht frisch und tatkräftig wie viele der Start-Ups in diesem Bereich. Sie wirken eher unbeholfen wie die Versuche eines 55-jährigen, der mit Longboard und Jugendsprache sein wahres alter zu verjüngen versucht. 

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