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Darf ich meinen Urlaub kostenlos stornieren?

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Bundesregierung ihre weltweite Reisewarnung bis Mitte Juni verlängert hat. Viele Reiseveranstalter strichen daraufhin bereits gebuchte Urlaube und Reedereien sagten Kreuzfahrten ab. Und auch bei Lufthansa geht der Notbetrieb weiter, mit der Folge, dass Tausende Flüge ausfallen. Klar ist seitdem aber auch, dass Urlauber ihre bis Mitte Juni gebuchten Urlaube – zum Beispiel über Pfingsten – kostenlos stornieren können. Denn eine Stornierung ohne Gebühren ist nur dann möglich, wenn auch eine Reisewarnung vorliegt. So dachte man zumindest bisher. Denn der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kommt nun überraschend zu einem etwas anderen Schluss.

Verbraucherschützer: Reise stornieren schon jetzt bis Ende August möglich – kostenlos

Laut eines juristischen Gutachtens des Reiserechtlers Klaus Tonner, das der vzbv in Auftrag gegeben hatte, haben Verbraucherinnen und Verbraucher schon jetzt die Möglichkeit, bis Ende August stattfindende Auslands-Pauschalreisen kostenlos zu stornieren. Zudem ist es laut Gutachten zulässig, eine Restzahlung für alle bis Ende August geplanten Reisen zurückzuhalten.

Erst wenn wirklich gesichert sei, dass eine Reise auch tatsächlich stattfinde, müssten Verbraucherinnen und Verbraucher auch den noch verbliebenen Teil ihres nur angezahlten Urlaubs begleichen. All das sei unabhängig von der globalen Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die nur bis zum 14. Juni gilt. Reiseveranstalter müssten zudem auf Wunsch von Kunden bereits gezahlte Anzahlungen für Reisen bis Ende August zurückerstatten.

Kein Urlaub im Sommer? Kostenlose Stornierung!

Die Voraussetzung einer kostenlosen Stornierung sei aufgrund von Äußerungen hochrangiger Politiker gegeben, wonach ein Auslandsurlaub in diesem Sommer wohl nirgendwo möglich sein werde. Damit sind unter anderem die Worte von Bundesaußenminister Heiko Maas gemeint.

Das Gutachten komme laut vzbv zu dem Ergebnis, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sei, dass die Umstände der Covid-19-Pandemie zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Reise führen. Deswegen müssten Urlauber auch nicht warten, bis Reiseveranstalter wie TUI, FTI, Alltours oder DER Touristik die Reisen von sich aus absagen.

Verbraucherschützer-Chef ergreift das Wort

Klaus Müller, Vorstand des vzbv, fordert nun ein Umdenken von den Reiseanbietern. „Die Restzahlung zu verlangen, obwohl nicht sicher ist, dass Verbraucher überhaupt wie gebucht reisen können, ist nicht in Ordnung.“

Man beobachte Reiseveranstalter, die eine hohe restliche Rate fordern, aber die Reise kurz vor Abflug stornieren. „Dann muss der Kunde sehen, wie er sein Geld zurückbekommt“, kritisiert Müller das aktuelle Vorgehen in der Reisebranche. Eine Rückforderung erweise sich gegenwärtig aber alles andere als einfach, wie viele Beschwerden über Reiseveranstalter in den Verbraucherzentralen zeigten.

Verwunderlich ist die schleppende Bearbeitung von Rückzahlungen aber nur zum Teil. Denn auf die Vielzahl an anlaufenden Stornierungen sind die Reiseveranstalter schlichtweg nicht vorbereitet. Vor allem personell nicht. Gleichzeitig schwebt die Unsicherheit im Raum, ob die Touristikkonzerne tatsächlich Geld zurückerstatten müssen oder stattdessen auch Reisegutscheine an ihre Kunden ausstellen dürfen.

Deutscher Reiseverband widerspricht

Hinzu kommt: Ganz so einfach, wie es sich die Verbraucherschützer ausmalen, ist die Sachlage wohl nicht. Eine kostenlose Stornierung des Sommerurlaubs ist derzeit nicht möglich, teilte der Deutsche Reiseverband (DRV) in Reaktion auf das vzbv-Gutachten mit. Auch der DRV habe durch den Reiserechtsexperten Hans-Josef Vogel ein Gutachten erstellen lassen, das zu einem ganz anderen Ergebnis komme. Die Rechtslage sei anders, als es der vzbv suggeriere.

Folgen Verbraucher der Empfehlung der Verbraucherschützer und stornieren Reisen mit Abreisedatum nach dem 14. Juni, müssten sie damit rechnen, die Stornierungskosten im Nachhinein übernehmen zu müssen. Vogel komme in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass eine verlässliche Prognoseentscheidung darüber, ob Reisen nach dem 14. Juni möglich oder nur mit erheblichen Einschränkungen möglich sind, zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgegeben werden könne.

DRV-Präsident Norbert Fiebig sagt: „Wir geben den Sommerurlaub nach wie vor nicht verloren. Sobald es die Entwicklung der Corona-Pandemie erlaubt, werden sukzessive auch wieder Reisen in und außerhalb Deutschlands möglich sein.“ Wichtig sei nun, wieder differenzierte Reisehinweise des Auswärtigen Amtes zu bekommen. Dann sei es wieder möglich, Reisen in Länder zu ermöglichen, die mit Deutschland vergleichbare oder sogar bessere Bedingungen hätten.

Ganz ähnlich sehen es übrigens auch die Reiseveranstalter in Deutschland, die auf Anfrage von inside digital mehrheitlich auf den DRV verweisen. „Für die Beurteilung der Durchführbarkeit von Reisen im Ausland sind die Sicherheitshinweise beziehungsweise die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes maßgeblich“, führte ein Sprecher von DER Touristik weiter aus. Man hoffe, dass die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder den deutschen Bürgern baldmöglichst Klarheit über die Reisemöglichkeiten nach dem 14. Juni geben können.

Gutscheine statt Geld? Diese Idee ist vom Tisch!

Neue Auffassungen gibt es unterdessen auch von den Plänen der Bundesregierung, dass Reiseveranstalter für in der Coronakrise stornierte Reisen Gutscheine ausstellen dürfen. Nach der CDU rücke nun auch die SPD von dem umstrittenen Vorhaben ab, berichtete das „Handelsblatt“ am Dienstag.

„Die Zwangsgutscheine werden nicht kommen, weil wir keinen nationalen Alleingang machen werden“, sagte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, der Zeitung. „Wir hatten gehofft, dass die CDU ihre Parteifreundin an der Spitze der EU-Kommission (Ursula von der Leyen) mal zu seiner Aussage zu verpflichtenden Reisegutscheinen bewegt.“ Doch daran glaube man nicht mehr und deswegen seien die Zwangsgutscheine vom Tisch.

SPD-Idee: Fonds statt Gutscheine

Fechner schlägt alternativ eine Fonds-Lösung vor. Denkbar sei, „dass mit einem staatlich finanzierten Fonds Reisegelder zurückerstattet werden.“ Weiter führte der SPD-Politiker aus: „Damit die Kosten nicht am Steuerzahler hängenbleiben, würde die Reisebranche den Fonds innerhalb einer bestimmten Frist wieder auffüllen.“

Dieses Modell falle in den Zuständigkeitsbereich von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der nun einen passenden Vorschlag vorlegen müsse. Fechner dringt auf Eile: „Die Zeit drängt, weil die Reisebranche von dramatischen Zuständen berichtet und auch die Reisenden endlich wissen wollen, wie es für sie weitergeht.“

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