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Euro Nacht Sprinter: Grüne wollen dem Flugzeug an den Kragen

Mit dem Nachtzug quer durch Europa fahren. Diese Pläne sind nicht neu. Aber sie stecken bisher noch in den Kinderschuhen. Denn bisher stehen für den von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betriebenen Nightjet nur einige wenige neue Verbindungen fest, die ab Ende 2021 als Trans-Europ-Express TEE 2.0 verkehren sollen. Die Bundestagsfraktion der Grünen hat jetzt aber ein Konzept präsentiert, das noch einen Schritt weitergeht. Eine Netzvision, die ab 2030 zahlreiche europäische Großstädte per Euro Night Sprinter verbinden soll.

Zug statt Flugzeug: Für Urlauber und Geschäftsreisende

In den nächsten Jahren komme es darauf an, massiv in das europäische Schienennetz zu investieren, heißt es dazu von den Grünen. Bahnfahren müsse für Reisende über Grenzen hinweg deutlich vereinfacht werden. Und dabei sollen attraktive Bahnverbindungen helfen, die nachts verkehren und perspektivisch bis zu 500 Großstädte, Mittelzentren und Urlaubsregionen in Europa miteinander verbinden. Einige Euro-Nacht-Sprinter bieten laut des Konzeptpapiers direkten Anschluss an einen Hafen. So werden Urlaubsinseln wie Mallorca, Korsika, Sizilien oder Santorin per Nachtzug aus ganz Europa erreichbar.

Neben Touristen wollen die Grünen mit ihrem Konzept auch Geschäftsreisende ansprechen. Sie sollen schon abends in einen Zug statt früh morgens in ein Flugzeug steigen, um zu wichtigen Besprechungen oder Kongressen zu reisen. Die Bahn habe riesiges Potenzial für eine klimafreundliche, zuverlässige und bezahlbare Mobilität in ganz Europa, ist man bei den Grünen überzeugt. Die Schiene könne helfen, die CO2-Emissionen deutlich zu senken. Denn etwa ein Viertel aller klimaschädlichen Emissionen in Europa stamme aus dem Verkehrssektor. Vor allem Autos und Lkw mit Verbrennungsmotoren und der Luftverkehr tragen ihren Teil dazu bei.

Die Grünen wollen deswegen unter anderem nicht nur die Bahn-Infrastruktur ausbauen. Auch die Trassenpreise will man senken und für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Schiene und Flugzeug sorgen. Zudem soll ein kundenfreundliches Buchungsportal entstehen. Auf der anderen Seite der Medaille steht, dass viel Kooperation auf europäischer Ebene notwendig ist, um das angedachte Nachtzugnetz überhaupt umsetzen zu können. Und auch enorme finanzielle Mittel wären nötig. Deswegen sei es Aufgabe der Politik, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und entsprechende Angebote zu ermöglichen.

Der Nachtzug der Zukunft braucht mehr Komfort

Lange Fahrten mit der Eisenbahn, die tagsüber schnell als lästig empfunden werden können, sind nach Ansicht der Grünen während der Nachtstunden übrigens kein Problem. Einfach schlafen und ausgeruht am Zielort ankommen. Theoretisch eine vielversprechende Idee. Allerdings muss dafür auch das passende Wagenmaterial zur Verfügung stehen. Viele Schlaf- und Liegewagen bieten so ziemlich alles, aber keinen Komfort. Und gerade der ist notwendig, wenn man über Nacht reist. Die ÖBB testen deswegen schon jetzt den Nightjet der Zukunft. Mit Deluxe-Abteilen, die sogar über eine eigene Toilette und eine Duschmöglichkeit verfügen.

Grafik zu möglichen Nachtzugverbindungen durch Europa

So stellen sich die Grünen ein europäisches Nachtzugnetz für das Jahr 2030 vor.

Und noch einen Aspekt darf man bei dem Konzeptpapier für ein europäisches Nachtzugnetz nicht vergessen. Es wird für viele Reisende auch in Zukunft nicht ausbleiben, mitunter mehrfach umsteigen zu müssen . Und genau das ist es, was viele Menschen von einer Reise mit der Bahn abhält. Denn verpasste Züge und lange Umsteigezeiten sorgen am Ende dafür, dass das Flugzeug oder auch das Auto am Ende doch die bequemere Alternative zum Zug ist.

Ein Nachtzugnetz, wie es sich die Grünen vorstellen, ist deswegen von der Idee her absolut zu begrüßen. Ob es sich aber so umsetzen lässt, dass es ein bequemes, schnelles und zuverlässiges Reisen ermöglicht, das steht noch auf einem ganz anderen Blatt.

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