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Google macht pfiffigen Internetdienst überraschend dicht

Schluss mit der Fliegerei: Die Muttergesellschaft von Google, Alphabet, hat überraschend angekündigt, seinen vor allem für Entwicklungsländer und dünn besiedelte Gebiete gedachten Internetdienst Loon mit sofortiger Wirkung auslaufen lassen zu wollen. Das Projekt war vor knapp acht Jahren an den Start gegangen. Damals noch mit durchaus ehrgeizigen Plänen. Millionen von Menschen sollten über im All schwebende Ballons mit Internet versorgt werden. Am Ende war das „Internet-per-Ballon-Projekt“ aber wohl nicht nur innovativ. Sondern auch viel zu teuer. Ein wirtschaftlicher Betrieb sei nicht absehbar gewesen, teilte der amerikanische Tech-Konzern in einem Blogbeitrag mit.

Loon hatte zu hohe Kosten

Primär ging es bei Loon darum, Internet auch in die letzten noch nicht mit Internet versorgten Gebiete zu bringen. Gebiete, die entweder zu abgelegen sind oder in denen es zu schwierig ist, konventionelle Infrastruktur für Telekommunikationsdienste bereitzustellen. Doch wie bringt man das weltweite Datennetz in diese Regionen? Gelingen sollte das mit von Google selbst entwickelten Ballons. Ausgestattet mit Spezialantennen sollten sie das Internet – einfach formuliert – aus der Stratosphäre in 20 Kilometern Höhe auf die Erdoberfläche funken. Ein Projekt, das immer wieder für Aufsehen sorgte. Doch jetzt ist Schluss. Am Ende scheiterte Loon aber nicht in erster Linie am fehlenden Interesse der Menschen. Loon-Chef Alastair Westgarth gibt offen zu, dass es trotz einer Reihe williger Partner nicht gelungen sei, „die Kosten niedrig genug zu halten, um ein langfristiges, nachhaltiges Geschäft aufzubauen.“

Am Ende platzte das Projekt Loon wohl auch, weil die teuren Ballons nur eine recht kurze Lebensdauer haben. Sie müssen in der für sie zugedachten Flughöhe nicht nur der aggressiven UV-Strahlung widerstehen, sondern auch Temperaturen von -65 bis -90 Grad. Hinzu kommen zum Teil Windgeschwindigkeiten von mehr als 100 km/h. Das sorgte in Kombination dafür, dass jeder mit Helium gefüllte Loon-Ballon nur etwa eine Zeit von rund 100 Tagen nutzbar war. Am Ende seiner Nutzungszeit sank jeder Ballon kontrolliert zu Borden und musste dort von einem Bergungsteam eingesammelt werden, um vor allem die technischen Komponenten wieder fit für den nächsten Flug in den Weltraum zu machen.







Vom Boden ins All und wieder zurück

Für die Verbreitung des Internet empfingen die Ballone ein Signal von Bodenstationen und leiteten es über Antennen wieder zurück auf die Erde. Die notwendige Energie wurde aus hochwertigen Sonnenkollektoren gewonnen. Sie konnten genug Energie speichern, um auch nachts zu funktionieren. Der Vorteil des Google-Projekts: Aus dem All heraus war jeder Loon-Ballon in der Lage ein weit größeres Gebiet mit einem Internetsignal zu versorgen als es ein einzelner Funkmast am Boden kann. Pro Ballon war eine Abdeckung von bis zu 5.000 Quadratkilometern möglich.

Am Ende stellte sich für Googles Muttergesellschaft Alphabet aber offensichtlich heraus, dass ein tragfähiges Geschäftsmodell von Loon weder mittel- noch langfristig zu erreichen ist. Das heißt übersetzt nichts anderes als dies: Die Idee, mehr Menschen mit Internet zu versorgen, damit in Folge dessen vor allem die Werbeeinnahmen bei Google steigen, ging nicht in ausreichender Form auf. Letztlich haben Alphabet und Google also eine Milliardenwette verloren. Doch selbst das kann sich ein Schwergewicht wie Alphabet, das Quartal für Quartal hohe Gewinne erwirtschaftet, aus rein finanzieller Sicht problemlos leisten.

Loon Project Kenia

Über die App flightradar24 sind die Loon-Ballons unter anderem über Kenia zu finden.

Starlink und OneWeb als Alternative

Möglich ist aber auch, dass Google schon jetzt erkannt hat, welch wuchtige Konkurrenz sich aktuell im Weltall formiert. Und deswegen wurden bei Loon jetzt die Stecker gezogen. Denn Starlink, das weltumspannende Sattelitennetzwerk von Tesla-Gründer Elon Musk, ist ebenfalls im Begriff, Internetverbindungen anzubieten. Und das zu erschwinglichen Konditionen mit Download-Geschwindigkeiten zwischen 50 und 150 Mbit/s. Ganz ähnlich aufgestellt und ebenfalls mit vielen Satelliten im All unterwegs: OneWeb. Hier ist unter anderem der britische Milliardär Richard Branson als Unterstützer an Bord.

So oder so: Das Internet erobert die Welt. Auch in den entlegendsten Gebieten unseres Planeten. Wenn nicht per Loon Ballon, dann eben über Satelliten. Aufzuhalten ist der Siegeszug nicht.

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