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Handy-Shops dicht: Diese Gefahren sehen Betreiber von Shops

Alle sitzen gerade im gleichen Boot: Alle Geschäfte, die nicht als überlebenswichtig gelten, müssen wegen des Coronavirus schließen. In einigen Bundesländern gibt es andere Regelungen als anderswo – aber der Grundsatz ist über all der gleiche. Deswegen haben sich auch jetzt auch Telekom, Vodafone und O2 zu bundesweiten Schließungen ihrer Shops entschlossen oder wurden dazu gezwungen.

Telekom: 500 Shops geschlossen

Der Verkauf und Service in den 500 Shops ist eingestellt. Das betrifft auch die rund 200 Partneragenturen in Deutschland. Die Telekom arbeitet nach eigenen Angaben gemeinsam mit den Behörden an einer Lösung, um demnächst einige Shops als Grundversorgung für die Bevölkerung wieder zu öffnen. Alle Aufträge, die gestern noch im Shop abgegeben wurden, würden aber abgearbeitet.

Vodafone: Partneragenturen bestimmen selber

Auch die Shops von Mitbewerber Vodafone sind dicht. „Damit werden unsere Kollegen den Menschen vor Ort bis auf weiteres nicht mehr für persönliche Beratung und Hilfe zur Verfügung stehen. Wir bitten unsere Kunden um Verständnis. Wir folgen damit dem Wunsch der Bundesregierung nach stärkerer Kontaktvermeidung. Partneragenturen in einzelnen Bundesländern, die über ihr Geschäft unabhängig bestimmen, entscheiden – bis auf eine konkrete Anordnung der Länder – selbst darüber, wann sie ihre Geschäfte schließen“, heißt es aus Düsseldorf.

O2: Alle Shops geschlossen

Die Shops sind in allen Bundesländern nach Maßgabe der behördlichen Vorgaben bis auf Weiteres geschlossen. „Uns ist bewusst, dass wir aktuell mit unseren Telekommunikationsangeboten eine besonders bedeutsame Dienstleistung für unsere Kunden und die Bürger dieses Landes erbringen. Entsprechend tun wir alles, um unsere Kunden weiterhin so umfassend wie möglich zu bedienen.“ Wie es weitergeht, hänge „maßgeblich von den weiteren Entscheidungen der Bundesregierung und lokaler Behörden ab“

Verweis auf Internet, Kritik vom Branchenverband

Alle drei Netzbetreiber verweisen auf die Hotlines, die Online-Service und Apps. Gerade in Bezug auf die Hotlines wird aber auch darauf hingewiesen, dass die Schließung der Shops zu einem erhöhten Aufkommen und somit auch zu Wartezeiten führen dürfte.

Die Schließung der der Shops trifft aber nicht überall auf Gegenliebe. „Die Telekommunikationsanbieter haben sich auf eine deutlich steigende Nachfrage und Beratungsbedarf in den Shops eingerichtet“, sagt beispielsweise Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM. Der VATM spricht als Verband für einen Großteil der Telekommunikationsbranche. Es zeichne sich schon jetzt eine wesentlich höhere Nachfrage nach Beratungsleistungen und leistungsfähigeren Anschlüssen ab. „Viele Bürger werden in den nächsten Tagen und Wochen auf höhere Datenraten und schnellere Verbindungen angewiesen sein. Das gilt für Festnetz und Mobilfunk.“

Handyladen von O2

Ein leerer O2-Shop.

Durch Sicherheitsvorkehrungen wie größeren Abstand und Desinfektion könne man die Ansteckungsgefahr entsprechend der Vorschriften auf ein Minimum reduzieren. „Vom Staat sollte hier dringend dafür Sorge getragen werden, dass die Bürger nicht von der Beratung und bestmöglicher Kommunikation zum Beispiel bei Home-Office abgeschnitten werden und in den nächsten Wochen weiterhin offene TK-Geschäfte vorfinden“, so Grützner in einer Stellungnahme. „Funktionierende Kommunikation ist hier ebenso wie einige andere zentrale Bereiche von Schließungen unbedingt auszunehmen.“

Freie Händler fühlen sich im Stich gelassen

Und auch Jan Freynick, geschäftsführender Gesellschafter der inside intermedia Shop GmbH & Co. KG (favento) und Gründer von inside digital kritisiert den Schritt. „Grundsätzlich ist es richtig, die Geschäftstätigkeiten einzuschränken, damit die Leute zu Hause bleiben“, sagt er und unterstreicht damit den allgemeinen Tenor. Doch er hinterfragt auch, was jemand macht, dessen Handy in diesen Tagen defekt ist, gestohlen wird oder dessen Vertrag schon gekündigt ist und der sich um einen neuen Anbieter bemühen wollte. „Sicherlich wird sich ein Teil der Kunden im Internet helfen können – doch das trifft eben nicht auf jeden Kunden zu“, so Freynick.

Und er kritisiert auch, dass er als freier Fachhändler mit zwei Shops sich im Stich gelassen fühlt. „Die Netzbetreiber und Provider können ihre Kunden über Hotlines und Internet-Seiten abfangen. Das können und dürfen wir aber nicht.“ Der Grund: Als stationärer Shop hat er keine Vertriebsmöglichkeiten der Provider für den Fernabsatz – also Telefon oder Internet. Hier geht es einerseits um rechtliche Vorgaben wie das 14-tägige Widerrufsrecht aber auch um fehlende Möglichkeiten, solche Verträge überhaupt zu erfassen.

„Wenn wir einen Kunden per Telefon beraten würden, schließt dieser anschließend online bei den Providern direkt ab und wir gehen leer aus.“ Das sei auch gleichzeitig seine größte Angst für die wirtschaftliche Zukunft: „Die Kunden, die wir jetzt noch in unseren Shops hatten, werden gerade zwangsweise ins Internet gelenkt. Das betrifft alle Branchen“, so der Einzelhändler abschließend – verbunden mit der Hoffnung, dass Kunden mit ihren Anschaffungen warten, bis die Shops wieder öffnen dürfen.

Der Beitrag „Handy-Shops dicht: Diese Gefahren sehen Betreiber von Shops“ erschien zuerst auf inside-digital.de.