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Kommentar: Darum ist ein 1.000-Mbit/s-Anschluss (erstmal) enttäuschend

Homeoffice, HD-Streaming und mehr: 100 Mbit/s und ein schnelles Heimnetzwerk waren schon lange Standard in meiner Wohnung. Da war die Vorfreude auf einen Anschluss mit einem Gigabit groß. Egal wo in der Wohnung – ich habe mich schon auf deutlich dreistellige Speedtests, rasante Downloads und eine Zukunft in UHD gefreut. Und auch wenn ich neulich in einem Artikel schon hinterfragt habe, wer eigentlich einen Anschluss mit 1.000 Mbit/s braucht – das Interesse und der „Haben-Wollen-Effekt“ war größer. Doch als der Anschluss dann lief, folgte schnell die Ernüchterung und Enttäuschung.

Nein, es war nicht die Enttäuschung, weil ich bis jetzt keine Anwendung gefunden habe, mit der ich die Leitung auch nur ansatzweise auslasten könnte. Nicht einmal der Windows-Update-Server kommt so recht aus dem Knick.

Die Enttäuschung war auch nicht der Anschluss an sich. Die meiste Zeit des Tages bekomme ich tatsächlich 1.000 Mbit/s aus der Leitung. Allerdings weiß ich, dass der Kabel-Cluster, an dem ich mich befinde, auch enorm klein ist. Das heißt, ich teile mir die dahinter liegende Glasfaserleitung mit nur sehr wenigen Nachbarn. Ich bin also nicht wegen des Phänomens des Shared Medium enttäuscht.

Wenn das Internet schneller als das Heimnetz ist

Nein, die eigentliche Enttäuschung war mein eigenes Heimnetz. Dabei habe ich auch dieses gerade erst neu aufgesetzt. Dass ich mit meinen Endgeräten nicht 1.000 Mbit/s erwarten kann, war mir klar. Schließlich bringt nicht einmal ein Gigabit-LAN-Port das komplette Gigabit in den Rechner (es sind etwa 940 Mbit/s).

In meiner Wohnung hatte ich zwei Möglichkeiten, das Internet über zwei Etagen zu verteilen: Google Nest Wifi und Powerline-Adapter der devolo Magic-Serie. Beide unterstützten WLAN Mesh und funktionierten am 100-Mbit/s-Anschluss tadellos. Mit dem neuen 1.000-Mbit/s-Anschluss habe ich die neue FritzBox 6660 Cable in Betrieb genommen. Sie hat immerhin einen 2,5 Gbit/s-Ausgang und kann WLAN6. Das allerdings ist nicht mit den beiden möglichen WLAN-System kompatibel. Und ein Endgerät mit einem 2,5 Gbit/s LAN-Port habe ich auch nicht.

WLAN-Mesh-Systeme und Powerline sorgen für die Gigabit Enttäuschung

„Einige hundert Megabit werde ich schon in mein Büro bekommen“, dachte ich mir. Das Büro ist ein Stockwerk über dem eigentlichen Anschluss, der im Wohnzimmer liegt. Doch meine Annahme war ein Trugschluss. Denn beide WLAN-Systeme machen recht früh schlapp. Gerade mal ein Viertel der Leistung kam in beiden Versuchen noch am Rechner an. Drei Viertel verpufften auf nicht einmal zehn Metern direkter Strecke vom Anschluss bis zum Schreibtisch. Gegencheck: Klemme ich den Rechner direkt an die Fritzbox bringt der Speedtest mit dem richtigen Server Download-Raten jenseits der 900 Mbit/s.

Es ist also nicht der Anschluss, der enttäuscht. Was versagt, sind gleichermaßen devolo Magic als auch Google Nest Wifi. Dabei wirbt devolo mit 2.400 Mbit/s Übertragung im Stromnetz – am LAN-Port meines Büros kamen dennoch nur noch 200 bis 300 Mbit/s netto an. Enttäuschend.

WLAN: Brutto ist nicht netto

Und die WLAN-Schnittstelle? Ein Blick ins Datenblatt des Laptops: 802.11a/b/g/n/ac, 2,4 / 5 GHz 2 x 2 MIMO. Klingt gut. Doch nur, bis man hinterfragt, was bei WLAN ac am Ende übrig bleibt. Denn von den etwa 850 Mbit/s Brutto-Datenrate bleibt in der Praxis gerade einmal die Hälfte übrig. Und auch das nur unter besten Bedingungen. Das heißt, du sitzt direkt neben dem Sender. Dieser Text beispielsweise entsteht vier Meter entfernt von der 6660 Cable am Wohnzimmertisch. Doch gerade einmal ein Viertel des Gigabit kommt netto auf meinem Rechner an. Ja, es ist Jammern auf hohem Niveau, dennoch nicht das, was der normale Internet-Nutzer bei den ganzen beworbenen Datenraten wohl erwartet.

Denn es dürfte den meisten Gigabit-Kunden am Ende des Tages ähnlich gehen wie mir, wenn sie in diesen Tagen ihren Anschluss in Betrieb nehmen. Enttäuschung. Enttäuschung darüber, dass der Gigabit-Anschluss beim Speedtest nicht das Gigabit liefert, weil das eigene Heimnetzwerk schlicht nicht so gut ist, wie man geglaubt hat. Und letztlich vielleicht auch die Enttäuschung, dass man das Gigabit gar nicht wirklich nutzen kann. Zumindest heute nicht.

Du bist also mit einem Anschluss, der dir 1.000 Mbit/s nach Hause liefert nicht nur der Zeit voraus, sondern sehr wahrscheinlich auch deinem Heimnetzwerk.

Die Gigabit Enttäuschung: Ein Henne-Ei-Problem

So ist es unterm Strich zwar ein echter Marketing-Coup von Vodafone, dir derzeit 1.000 Mbit/s für nur 40 Euro anzubieten. Wirklich ausnutzen können das Gigabit vermutlich die wenigsten Kunden. Gleichzeitig sorgt man aber vermutlich bei vielen Kunden für Frust und dämpft die Erwartungen an das Gigabit-Internet. Denn dass es am Ende nicht der Internetanschluss ist, sondern die eigene Technik, die die Leitung ausbremst, dürften angesichts der überall beworbenen Brutto-Datenraten die wenigsten Nutzer wissen.

Letztlich ist es aber ein Henne-Ei-Problem. Lange Zeit war es so, dass das Heimnetzwerk viel mehr leisten konnte, als der Internetanschluss hergab. Mit der massenhaften Verbreitung der Gigabit-Leitungen von Vodafone wird das nun das erste Mal im großen Stil anders.

Wie du dein Heimnetzwerk wirklich fit für das Gigabit-Zeitalter machen kannst, werden wir dir bei inside digital in den nächsten Wochen zeigen. Vielleicht ist die Enttäuschung dann nicht mehr ganz so groß.

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