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Mogelpackung WLAN: So langsam ist dein WLAN-Router wirklich

Generell gilt: Alle Hersteller werben bei ihren WLAN-Angaben mit sogenannten Brutto-Datenraten. Das ist im Grunde vergleichbar mit den Geschwindigkeiten beim Internet-Zugang oder Handynetz – nur dass diese sich theoretisch erreichen lassen. Beim WLAN hingegen hast du rein technisch gar keine Chance, die beworbenen Brutto-Datenraten als Netto-Datenrate in der Praxis auf deinem Rechner oder Smartphone zu bekommen.

Die Brutto-Datenraten enthalten auch Steuer- und Verwaltungdaten. Dieser sogenannte Overhead-Traffic wird zum Betrieb des WLAN-Netzes gebraucht. Das heißt, die Daten werden übertragen, die Frequenzen belegt. Doch praktisch nutzen kannst du die Datenraten nicht. Das heißt also, wenn ein Hersteller mit einer WLAN-Geschwindigkeit von 1.733 Mbit/s oder 1,7 Gbit/s wirbt, wirst du niemals diese Datenrate in einem Speedtest messen können. Im konkreten Beispiel wird dein Messwert bei maximal 860 Mbit/s liegen.

Wovon ist die WLAN-Geschwindigkeit abhängig?

Generell wird die in der Praxis nutzbare WLAN-Geschwindigkeit von drei technischen Dingen bestimmt:

  • Dem WLAN-Standard
  • Der Anzahl der Datenströme
  • Der eingesetzten Kanalbandbreite

Wichtig dabei ist stets das Zusammenspiel zwischen Router und Endgerät. Es bringt dir also nichts, wenn du einen Highend-Router hast, aber ein Billig-Smartphone mit einem mehrere Jahre alten WLAN-Chip betreibst. Umgekehrt gilt das gleiche: Der beste Highend-Rechner bringt dir nichts, wenn der WLAN-Router nichts taugt. Doch worauf musst du nun achten? Wir erklären es dir.

Der richtige WLAN-Standard

Kennst du noch Begriffe wie WLAN 802.11n oder WLAN 802.11b? Dann kennst du dich schon recht gut aus. Für viele Nutzer waren diese Standards jedoch zu kompliziert. Deshalb hat man sich darauf verständigt, die WLAN-Standards namentlich zu vereinfachen. Im Wesentlichen spielen heute drei Standards noch eine Rolle: WLAN N (auch als WLAN 4 bezeichnet), WLAN AC (oder auch WLAN 5) sowie das neue WLAN AX (oder auch WLAN 6). Es gibt noch weitere Standards, die lassen wir an dieser Stelle aber außer acht.

Generell gilt: Die Standards sind abwärtskompatibel. Das heißt: Ein Router mit WLAN 6 kann auch Endgeräte mit WLAN 4 oder 5 mit Daten versorgen und ein WLAN-6-Handy kann sich an einem WLAN 4-Router anmelden. Allerdings  „verliert“ die Übertragung dann die Features des besseren Standards – sprich: Die Übertragung wird langsamer.

Die Datenströme

Vielleicht hast du schon einmal den Begriff MiMo gehört. Die Abkürzung steht für Multiple Input, Multiple Output. Sehr untechnisch beschrieben bedeutet das, dass durch Codierverfahren je nach Variante mehrerer Datenströme auf der gleichen Frequenz teils über mehrere Antennen geschickt werden. Dadurch gibt es zwischen Router und Gerät mehrere Verbindungen gleichzeitig, was die Datenrate steigert. Die neuesten Geräte unterstützten MU-MIMO, das ist ein Multi-User-Mimo. Hier schickt der Router gleichzeitig Daten an mehrere Geräte im Netz, was noch einmal die Effizienz erhöht – vor allem wenn viele Geräte viel Traffic generieren.

Die Kanalbandbreite

Bei WLAN spricht man stets vom 2,4 und 5 GHz Band als Frequenz. Doch innerhalb dieser Frequenzen gibt es mehrere Kanäle. Das bedeutet, dass es im 2,4 GHz-Band ein Spektrum von 60 MHz gibt und im 5 GHz-Band insgesamt 340 MHz. WLAN-Router können bis zu 160 MHz davon belegen. Je breiter das belegte Spektrum, desto höher die Datenrate. Allerdings: nur wenn auch das Endgerät dieses unterstützt, bringt dir das hohe Datenraten. Angegeben wird das Spektrum in den technischen Spezifikationen als HE160 für 160 MHz, HE80 für 80 MHz und so weiter. Der Unterschied in der Praxis kann eklatant sein.

Deine Nachbarn

Ein weiterer Faktor, wie schnell dein WLAN am Ende ist, sind auch deine Nachbarn. Denn WLAN ist ein Shared Medium. Du teilst dir zwar nicht dein WLAN mit deinen Nachbarn, aber die Frequenzen. Und wenn deine Nachbarn bereits viel Datenverkehr über die Luft schicken bleibt für deinen Router weniger Kapazität. Mehr dazu haben wir in einem ausführlichen Ratgeber zusammengestellt. Last not least sinkt übrigens auch die tatsächlich nutzbare Datenrate mit wachsender Entfernung zum Router.

Theorie und Praxis: Das liefert dein WLAN wirklich

WLAN-Standard Datenströme Kanalbandbreite Beworbene Datenrate theoretische, tatsächliche maximale Datenrate
WLAN AX (WLAN 6) 2×2 160 MHz 2400 Mbit/s etwa 1440 Mbit/s
80 MHz 1200 Mbit/s etwa 720 Mbit/s
40 MHz 600 Mbit/s etwa 360 Mbit/s
20 MHz 300 Mbit/s etwa 180 Mbit/s
1×1 160 MHz 1200 Mbit/s etwa 720 Mbit/s
80 MHz 600 Mbit/s etwa 360 Mbit/s
40 MHz 300 Mbit/s etwa 180 Mbit/s
20 MHz 150 Mbit/s etwa 90 Mbit/s
WLAN AC (WLAN 5) 4×4 80 MHz 1733 Mbit/s etwa 860 Mbit/s
40 MHz 800 Mbit/s etwa 360 Mbit/s
20 Mhz 347 Mbit/s etwa 175 Mbit/s
3×3 80 MHz 1300 Mbit/s etwa 600 Mbit/s
40 MHz 600 Mbit/s etwa 300 Mbit/s
20 MHz 289 Mbit/s etwa 130 Mbit/s
2×2 160 MHz 1733 Mbit/s etwa 860 Mbit/s
80 MHz 866 Mbit/s etwa 430 Mbit/s
40 MHz 400 Mbit/s etwa 200 Mbit/s
20 MHz 173 Mbit/s etwa 85 Mbit/s
1×1 160 MHz 866 Mbit/s etwa 430 Mbit/s
80 MHz 433 Mbit/s etwa 215 Mbit/s
40 MHz 200 Mbit/s etwa 100 Mbit/s
20 MHz 86 Mbit/s etwa 40 Mbit/s
WLAN N (WLAN 4) 4×4 40 MHz 600 (64 QAM) oder 800 Mbit/s (256 QAM) etwa 240 (64 QAM) oder 320 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz 288 Mbit/s etwa 120 Mbit/s
3×3 40 MHz 450 (64 QAM) oder 600 Mbit/s (256 QAM) etwa 180 (64 QAM) oder 240 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz 216 Mbit/s etwa 90 Mbit/s
2×2 40 MHz 300 (64 QAM) oder 400 Mbit/s (256 QAM) etwa 120 (64 QAM) oder 160 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz 144 Mbit/s etwa 60 Mbit/s
1×1 40 MHz 150 (64 QAM) oder 200 Mbit/s (256 QAM) etwa 60 (64 QAM) oder 80 Mbit/s (256 QAM)
20 MHz 72 Mbit/s etwa 30 Mbit/s

Datenquelle: AVM

Wie finde ich heraus, wie schnell mein WLAN ist?

Ein wenig Know how gehört dazu, um du erfahren, wie schnell die Kombination aus Router und Endgerät wirklich ist. Am einfachsten geht es, wenn du beispielsweise eine FritzBox von AVM als Router nutzt. In den aktuellen Versionen der Betriebssoftware siehst du in den WLAN-Einstellungen, mit welchen Parametern dein Endgerät gerade mit deinem Router verbunden ist.

Hier kannst du den WLAN-Standard, die Kanal-Bandbreite, die Anzahl der Datenströme und weitere Parameter wie das Frequenzband und Multi-User-MiMo ablesen. Auch eine Datenrate gibt die Fritzbox an. Es ist die Brutto-Datendate.

WLAN-Angaben in der Fritzbox

WLAN-Angaben in der Fritzbox

An deinem Windows-PC kannst du in den Einstellungen den Netzwerkstatus aufrufen. Unter „Status“ und Eigenschaften siehst du dann die Verbindungsparameter.

Am Smartphone kannst du dir beispielsweise die Fritz!App WLAN installieren. Sie ist zwar von AVM, funktioniert aber auch mit anderen WLAN-Routern. Sie zeigt dir ebenfalls die Brutto-Datenrate an. Mit der Funktion „WLAN messen“ ermittelst du dann aber, wie leistungsfähig die Verbindung tatsächlich ist.

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