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Vorwurf: Netzbetreiber tricksen bei Speedtests

Wie die Kollegen von golem.de unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Experten schreiben, erkennen Netzbetreiber laufende Speedtests der Bundesnetzagentur. Das Ergebnis würde dann durch „Tricksereien“ verbessert. „Durch Sonderschaltungen [wird] bei Messungen alles freigeräumt, um die Datenübertragungsrate zu steigern“, zitiert Golem den Experten.

Das ist insofern plausibel, als der Speedtest der Bundesnetzagentur für die Netzbetreiber leicht zu erkennen sein dürfte, wenn sie in den Netzverkehr „hineinhören“. Zudem dürften die Routen, die ein Speedtest von einem Nutzer zum Speedtestserver nimmt, festgelegt sein. Dieser Speedtest ist für die Netzbetreiber deutlich wichtiger als andere. Er kann dazu dienen, die Rechnung zu kürzen, wenn die gebuchte Leistung regelmäßig nicht erreicht wird.

Internet ist immer Shared Medium

Dass solche Maßnahmen überhaupt ergriffen werden, ist der Architektur des Internets zuzuschreiben. So handelt es sich bei der Verbindung von deinem Rechner zu einem Server im Internet immer um eine geteilte Leitung, also ein sogenanntes Shared Medium. Dabei ist es egal, welche Anschlussart du hast. Zwar bringt man zunächst einmal Kabel-Internet und Mobilfunk mit Shared Medium in Verbindung. Doch auch bei VDSL und Glasfaser-Anschlüssen hast du keine exklusive Leitung bis zum Server, von dem du Daten abrufst. Spätestens in den Netzwerk-Knoten (Peering-Points) oder im Rechenzentrum des Ziel-Servers kommen deine Daten mit denen anderer Nutzer zusammen.

Es ist wirtschaftlich nicht darstellbar, dass du bei einer 1.000-Mbit/s-Leitung garantiert zu jedem Rechner auf der Welt zu jeder Zeit 1.000 Mbit/s Datendurchsatz bekommst. Sowohl beim Zielserver als auch beim Übergang zwischen den Netzwerken gibt es Überbuchungen. Auch die letzte Meile deines Anschlusses nutzt du nur in Ausnahmefällen alleine. Spätestens im Keller oder im Verteiler auf der Straße bündeln die Anbieter die Daten. Überbuchungen gab es schon zu Zeiten des reinen Telefonanschlusses. Das Netz war nie dafür ausgelegt, dass alle Teilnehmer gleichzeitig telefonieren konnten. Unbestätigten Berichten zufolge könnte nur ein Drittel aller Telefonanschlüsse gleichzeitig genutzt werden. Bei paketvermittelten Verbindungen wie dem Internet ist die Überbuchung bei gleichzeitiger Nutzung kein Problem. Es können also alle Nutzer gleichzeitig online sein und Daten übertragen. Eng wird es, wenn alle gleichzeitig hohe Datenmengen anfordern.

Langsamer Speedtest kann viele Ursachen haben

Ein Speedtest gibt daher immer nur punktuell Auskunft darüber, wie gut die Leitung zwischen dem Speedtest-Anbieter und deinem Rechner ist. Schon Sekunden oder Minuten später kann es anders aussehen. Die Ursachen können auf der letzten Meile liegen, wenn etwa bei LTE oder Kabel deine Nachbarn im größeren Ausmaß beginnen, das Internet zu nutzen. Aber auch ein Streaming-Event wie etwa ein Fußballspiel kann zu Engpässen im Netz führen – dann meist auf der Ebene der Peering-Points und der Rechenzentren.

Übrigens: Der häufigste Fehler, weswegen Speedtests weniger messen als deine Leitung eigentlich hergibt, ist dein Heimnetzwerk. Gerade bei schnellen Leitungen reicht die Messung per WLAN oftmals nicht aus. Und auch andere Effekte können deine schnelle Leitung einbremsen, ohne dass den Provider die Schuld trifft. Treffen hingegen die Vorwürfe zu, dass die Netzbetreiber gezielt Verbindungen zu den Speedtests optimieren, wäre das ein großer Vertrauensverlust und zudem vermutlich ein Eingriff in die Netzneutralität.

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