Aktuelle Nachrichten aus Hamburg, der Welt, zum HSV und der Welt der Promis.
Dieser Inhalt wird Ihnen bereitgestellt von

Klatsche für die Klatscher – S.O.S.-Reeperbahn musste Solidaritäts-Happening absagen

Eine Bier zuviel. Kiezgast verstößt gegen Auflagen des öffentlichen Konsums. Fotocredit: Agnieszka Pasek

Eine Bier zuviel. Kiezgast verstößt gegen Auflagen des öffentlichen Konsums. Fotocredit: Agnieszka Pasek

Es sollte ein weiteres Lebenszeichen vom Kiez sein. Das Konzept: Jeweils zwei Haushalte stehen am Samstag vor jedem Club, jeder Kneipe, jedem Museum oder Laden auf der Reeperbahn und applaudieren für fünfzehn Minuten. Initiiert hatte die Aktion die schnell wachsende Facebook-Gruppe S.O.S.-Reeperbahn, die innerhalb weniger Tage schnell über 5-000 Mitglieder vereint hat. Nun hat die Veranstaltungsbehörde die noch zuvor genehmigte Aktion untersagt, da sie zu dem Termin kein eigenes behördliches Konzept vorlegen konnte.
Sicherlich spielte auch in der Nähe stattfindende Autokorso der „Freiheitsfahrer“ und die sommerlichen Temperaturen bei den Erwägungen eine Rolle.

S.O.S.-Reeperbahn: Kurz zurück ins alte Leben


Die Aktion von S.O.S.-Reeperbahn sollte zeigen, wie sehr die Menschen ihr vertrautes Leben vermissen. Also im Winter gemütlich in der Kneipe sitzen oder bis in die frühen Morgenstunden durchtanzen.  Und es sollte auch eine Respektsbezeugung für die zahlreichen Betreiber sein, die in der Pandemie Stehvermögen gezeigt haben. Im Grunde eine schöne Geste wie für das Pflegepersonal im letzten Jahr.
Co-Inititator Oliver Pause zeigte sich natürlich enttäuscht von der Absage, plant aber einen neuen Anlauf.

Kritik an der Aktion

Aber mit Klatschen ist es eben nicht getan. Wie ein Kommentator unter der zwischenzeitlichen Absage der Aktion auf Facebook vermerkte: „Nette Idee, aber was soll ein Applaus retten? Die Leute brauchen Geld oder anderweitige Unterstützung (…)  für mich ist das eher eine nette Geste, anstatt ernsthafte Hilfe zu leisten.“
Andere fragten sich, ob vor den Ballermannschuppen oder der Kettengastronomie nun echt geklatscht werden muss. Der ehemalige Quartiersmanager Lars Schütze meinte nur: „Es gibt halt gültige Regeln und wenn es nicht passt, passt es eben nicht.“

Ging was ab?

Trotz der offiziellen Absage der Aktion durch den Veranstalter fanden sich dennoch einige neugierige Spaziergänge bei den warmen Temperaturen auf dem Hans Albers-Platz wieder und spielten Zaungäste. Und sie wurden nicht enttäuscht, ein paar „Rebellen“ nutzen den Rahmen, um öffentlich Bier zu konsumieren, was tatsächlich aktuell in der Öffentlichkeit nicht erlaubt ist. Sie wurden unter ihrem lautstarkem Protest abgeführt. Bekannt war diese Regel vielen Passanten nicht.

Solidarität mit einem Auslaufmodell?


Diese Mini-Kontroversen und Debatten rund um die gut gemeinte Aktion zeigen auf tiefergehende Probleme des Kiez, die schon lange vor Corona bestanden haben.
So wurde der Hotspot HafenCity mit seiner Elbphilharmonie als Konkurrent im Tourismus unterschätzt. Im März 2020 waren die Suchanfragen für das Konzerthaus bei google um das doppelte höher als nach dem Begriff „Reeperbahn“. Auch mit der Verlegung der Universität in den Designer-Stadtteil ist den feierwütigen Studenten der HotSpot Wilhelmsburg fahrtechnisch und inhaltlich näher als der Kiez.
Auch ist die Reeperbahn schon lange kein Ort der Subkultur mehr, die von Natur aus immer jung und aufregend ist. Es gibt schlichtweg keine Experimente, weil die Mietpreispreise einfach unanständig sind und in den überteuerten Räumen so natürlich nichts Neues gedeihen kann.

Doch manche Probleme sind auch hausgemacht und der kulturellen Bequemlichkeit geschuldet. Dass im letzten Jahr die koreanische Boyband B.T.S. in Amerika Nummer 1 war, hat keinen Club dazu verleitet mal über eine regelmäßige Asia-Disco unter der Woche nachzudenken und so junges Publikum zu ziehen. Selbst eine feste Russendico  oder etwas Disco Polo gibt es auf der internationalen Meile nicht. Auch feste Streaming-Offerten sind Fehlanzeige.

Wie sagte ein Kommentator auf Instagram vor einiger Zeit so schön: „Die Reeperbahn ist nur noch facebook und kein bißchen TikTok. Bezeichnenderweise war S.O.S.-Reeperbahn eine facebook-Gruppe.

Initiator Oliver Pause – enttäuscht von der Absage seiner Soli-Veranstaltung