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St. Pauli – UNESCO Weltkulturerbe: Quatsch oder tolle Idee?

Seit Jahren feiert Hamburg einen Besucherrekord nach dem nächsten. Der Boom wird auch in den nächsten Jahren nicht abreißen. Immer mehr Hotels werden gebaut. Die Stadt freut es, viele Bewohner sind allerdings genervt von den stetig wachsenden Touristenzahlen in ihren Vierteln. St. Pauli ist einer der Stadtteile, der am meisten von dem Geschäft mit dem Tourismus profitiert und darunter leidet.

Umso überraschender waren die Mitteilungen der großen Zeitungen in den letzten Tagen, dass eine Initiative vom Kiez bestehend aus dem BID-Reeperbahn, den beiden Kirchen St. Joseph und der Sankt Pauli Kirche, dem Sankt Pauli Bürgerverein und anderen Unterstützern das Leben auf St. Pauli zu einem immateriellen UNESCO Weltkulturerbe machen will. Was sich anhört wie ein Plan, noch mehr Touristen in den Stadtteil zu holen und das ganze wie eine Art Freilichtkino zu gestalten, ist tatsächlich ein Versuch, das „typische“ Lebensgefühl als Botschaft für Toleranz auszusenden.

Entsprechend heftig ging es bei der aufklärenden Pressekonferenz im Silbersack her, denn einige aktive Anwohner sehen in der Initiative nur die Grundlagen eines weiteren Gütesiegels, das die Bewohner als „besonders“ markiert und daher den Gaffern aussetzt.

Autor Michel Ruge („Bordsteinkönig“) vermerkte in der hitzigen Diskussion, dass die Werte, die der Antrag beinhaltet, schon lange nicht mehr existieren. Gentrifizierung und Ballermann seinen keine schützenswerten Entwicklungen und diese seien auf dem Kiez unübersehbar.
Ähnlich kritisch waren Mitarbeiter der Planbude, die auf ihren erarbeiteten Sankt Pauli Code verwiesen, der im Dialog mit den Bewohnern entstanden ist und nicht von oben verordnet sei.

An der Debatte zeigte sich einmal wieder, dass jeder das „Sankt Pauli-Gefühl“ für sich gepachtet hat und das es wohl doch einen Wert darstellt, sonst würde man nicht so um die Deutungshoheit kämpfen. Und genau das ist der Sinn des immateriellen Weltkulturerbes: Nicht Denkmalschutz, sondern weltweite Würdigung kultureller Einzigartigkeit. Ob es die gibt? Ergebnisoffen.

Damit Hamburg den Stadtteil St. Pauli auf die Liste setzen kann, wird noch einiges benötigt: Der ganze Stadtteil St. Pauli ist dazu aufgerufen, Fragebögen auszufüllen und aktiv mit der Initiative in den offenen Austausch zu gehen

Auf die Frage was man sich mit der Listung als Weltkulturerbe denn erhoffe:

„Und wenn’s ganz optimal läuft, können wir tatsächlich über die Bewerbung und was auch immer daraus wird, der Welt zeigen, dass St. Pauli viel, viel mehr ist, als Reeperbahn, Rampen-, Rot- und Blaulicht.“
Was das genau ist, will man jetzt rausfinden.