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Wie die Reeperbahn mit der Corona-Krise umgeht

„Auf St. Pauli brennt kein Licht“ ist der oft zitierte Satz dieser Tage. Na ja ganz so stimmt das nicht, denn die Betreiber der Läden versuchen das Beste aus der Krise zu machen. Und das Beste in der Situation macht eindeutig der Elbschlosskeller. Er hat geöffnet für die Ärmsten in dieser Situation, die Obdachlosen und Randständigen, verteilt in der Kneipe Brot, Aufschnitt und Schlafsäcke. Spenden sind herzlich willkommen und nötig. Daniel Schmidt, der Betreiber hat dafür einen Aufruf gestartet, wo gespendet werden kann –  auch wenn Sachspenden dringender sind.

Andere versuchen mit Humor die Sache anzugehen. Das Schmidt- Theater sendet täglich sein Comedy-Format „Schmidtflix“ auf Facebook, das zwischen Talk, Altherrenhumor, Travesie und Persiflage für abendliche Schmunzler sorgt. Viele Stars des Theaters sind regelmäßig mit Sicherheitsabstand zueinander dabei.
Auch die Musikclubs machen das Beste draus. So streamte auf Facebook am Freitag der Waagenbau ein langes Elektro-Set, ebenso wurden aus der Großen Freiheit 36 fette Beats mit Lichtshow gesendet.
Die Barbetreiberin des 439 Bar Carla Riveros Eißmann legt derweil in ihrer leeren Bar Vinyl auf und unterhält  ihre Zuschauer mit flotten Kostümen, Tanz und Zuspruch. In die gleiche Kerbe haut Promi-Fotograf Heiko Wessling, der unlängst als Nikolaus uns in die Welt der holländischen Alpen-Schlager einführte. Der emsige Musical und Kiez-Pianist Roun Zieverink sendet aus seiner Küche kleine Kammerkonzerte.

Auch das Erotic Art Museum ist betroffen. Die gerade frisch gehängte Ausstellung konnte nicht präsentiert werden, so werden die einzelnen Kunstwerke vom Betreiber in kurzen Videos auf Facebook und Instagram präsentiert. Ab dem 26.3. kann man auch die Werke der Popstreet Galerie im Karoviertel virtuell bewundern.

Die hart betroffenen kleinen Läden versuchen, über die sozialen Medien ihre Waren zu verkaufen. Der Laden Lebenswichtig St. Pauli am Neuen Pferdemarkt zeigt seine Produkte online und animiert seine Kundschaft zum Onlinekauf –  ganz ohne Onlineshop.

Einzig der Selbstdarsteller Kalle Havelland nutzt die Krise für eine Freundestournee und knuddelt seine Bekannten zur Aufhübschung  seines Instagram-Profils,  die sich der aufdringlichen Kamera eben nicht entziehen konnten. Havelland schreibt als Rechtfertigung, dass sich alle Beteiligten freiweillig mit ihm haben ablichten lassen und geriert sich als Rebell im Shitstorm. In dem kulturellen Paradigmenwechsels des Abstand als Wertschätzung, gehört er wohl zu den alten weißen Männern, die mit Bedeutungsverlust nicht klarkommen.

Doch alle Versuche das „Beste aus der Krise zu machen“ täuschen nicht darüber hinweg, wie ernst die Lage ist. Das Klubkombinat bittet um Spenden, viele Einrichtungen wie Hafenklang, Nochtspeicher, Astra Stube, Waagenbau, MS Stubnitz und auch das Gängeviertel halten nur noch ein, zwei Wochen durch und sind dann „unrettbar und vor allem unwiderbringlich verschwunden“.
Auf reeperbahn.de haben die Betreiber daher alles Wissen über Fördermöglichkeiten eingestellt und die IG St. Pauli hat eine aktive „What’s App-Gruppe“ ins Leben gerufen, in der Wissen geteilt und solidarisch geholfen wird.