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Winter & Corona: Reichen die Hilfsangebote für Obdachlose?

Symbolfoto: pixabay

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Obdachlos sein ist kein Spaß. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Schulden, Krankheit, Alkoholismus oder Verlust der Wohnung. Doch welche Gründe auch immer dazu führen, auf der Platte zu leben, die Spirale führt meist abwärts. Offizielle Dokumente können nicht zugestellt werden und unter den Obdachlosen aus unterschiedlichen Ländern herrscht oft ein heftiger Wettbewerb, der nicht selten in Gewalt endet.

Doch auf St. Pauli gibt es zahlreiche Initiativen, um den Randständigen zu helfen. Das CaFée mit Herz versorgt Obdachlose täglich mit warmen Mahlzeiten und organisiert medizinische Hilfe. Die Hamburger Tafel versorgt die Armen mit Essen aus seinem Mobil. Der Verein Alimaus bietet eine Tagesstätte an und versorgt über die Kleiderkammer Don Alfonso mit gespendeten Anoraks, Hosen, Pullovern und Unterwäsche. Oft werden auch Schlafsäcke gespendet.
Das große Zittern beginnt für die Obdachlosen, wenn die Temperaturen fallen, dann werden die Nächte auf der Straße zur Qual. Doch auch hier gibt es Schutz. Der Kältebus fährt Obdachlose in Notunterkünfte. Unter der Nummer 0151 – 65 68 33 68 kann man zwischen 19 bis 24 Uhr Bedürftige melden.
Doch jedes Jahr sterben genug Randständige an Unterkühlung. Ob sie keiner Unterbringung zustimmen wollten, was durchaus vorkommt, liegt an der jeweiligen psychischen und physischen Verfassung. Im letzten Winter waren es neun Personen.
Der Großteil der Initiativen, die sich dieser Thematik annehmen, sind privater Natur und haben meist Vereine als Träger. Wie so oft, hat sich der Staat aus seiner sozialen Verantwortung gestohlen.

Mit dem Corona-Virus ist nur ein Faktor hinzugekommen, der dieses ehrenamtlich getragene Geflecht auf eine harte Probe stellt. Denn die helfende Hand setzt sich selber einem Ansteckungsrisiko aus. Im März 2020 wurde St. Paulis härteste Kneipe über den Sommer zu einem ergänzenden Faktor im sozialen St. Pauli und die Macher setzten sich ohne Zögern der Gefahr aus. Für eine würdige Unterbringung trat die Reemtsma-Stiftung ein, die kurzerhand leerstehende Hotelzimmer ganz solidarisch an die Bedürftigen vergab.

Winter is coming

Doch nun ist wieder Winter und der mutierte Virus sorgt für steigende Ansteckungsraten. Sprich St. Paulis soziales Netz kann oder darf gar nicht helfen. Umso unverständlicher war im Senat vor Weihnachten die Ablehnung des Vorschlags der Hamburger Linken geschlossen von AFD, SPD, CDU und Grünen auf Staatskosten die Obdachlosen in Hotels unterzubringen.
Gerade einmal drei obdachlose Familien und weitere 42 Obdachlose dürfen laut dem Stadtmagazin Hinz und Kunz aktuell auf Kosten der Stadt in 36 günstigen Hotelzimmern leben, weil Kinder oder psychisch Auffällige nicht in den Großunterkünfte leben sollen.
Zeigt die Stadt Hamburg den Bedürftigen seine kalte Schulter? Oder war es wieder Parteiengeplänkel, bei der in ewiger lähmender Routine Vorschläge von anderen Parteien abschlägig behandelt werden?

Das leise Sterben

Fakt aber ist auch, dass die Notunterkünfte gar nicht ausgelastet sind und daher eine solche Maßnahmen nicht notwendig sind, so die offizielle Begründung. Klingt logisch, aber es wird dabei der Corona-Faktor außer acht gelassen, denn in den Unterkünften werden gegenwärtig vier Parteien in einem Raum untergebracht. Was ja formal gegen die die Zwei-Haushaltsregel verstößt. Aber es gilt auch, dass die Gemeinschaft einer Platte als eine Familie gerechnet wird.

Doch abseits der schwer nachvollziehbaren Regeln, eine Unterbringung in Hotels wäre Pandemiebedingt logisch und wintergerecht, da die Obdachlosen sich rund um die Uhr im Warmen aufhalten und niemanden anstecken können.
So sieht es auch der amtierende Vorsitzende des St. Pauli Bürgervereins Dieter Lohberger: „In Corana Zeiten sollte es doch möglich sein, Obdachlose in Einzelzimmern unterzubringen. Hotels und Jugendherbergen stehen doch zur Zeit leer. Hamburg macht einiges, aber hier sieht die Politik zu. Der Winter fängt erst an….vier tote Obdachlose innerhalb kürzester Zeit.“
In die gleiche Kerbe schlägt nach den Erfrierungen von vier Personen in Hamburg in den letzten Tagen die sozialpolitische Sprecherin der Linken Stephanie Rose. Für Hinz&Kunz online sagte sie: „„Jetzt fällt draußen Schnee und für die kommenden Tage sind Temperaturen um den Gefrierpunkt vorhergesagt – wir können uns als reiche Stadt kein weiteres Abwarten leisten!“