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Wohnen auf St. Pauli – Zwischen Luxus und Verrottung

St. Pauli ist immer noch das In-Viertel, in das es viele Studenten, Berufsanfänger aber auch wohlsituierte Familien treibt. Es ist immer was los, die zahlreichen Cafés und Bars laden zum Verweilen ein und die Events der Stadt Hamburg finden oftmals direkt auf der Reeperbahn statt. Man hat quasi alles direkt vor der eigenen Haustür.

Um in dem beliebten Stadtteil zu wohnen, nimmt man vieles in Kauf – Massen-Besichtigungen, eine Wohnung, bei der regelmäßig in den Hauseingang gekotzt oder uriniert wird oder eben eine schäbige, wenn nicht sogar verrottete Wohnung. Hauptsache, man kann danach stolz sagen „Ich wohne auf St. Pauli“.

Der Mietspiegel zeigt deutlich, dass die Preise in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt sind:

Letzten Monat (Juli 2018): 10,16€ – 24,42€

Vorletzten Monat (Juni 2018): 10,14€ – 23,08

Vor einem Jahr (August 2017): 8,89€ – 21,57€

Vor zwei Jahren (August 2016): 3,64 € – 21,57 €

Quelle: Immonet, 21.08.2018

Der Mietspiegel gibt an, welche Mieten übergreifend in einer Stadt oder in einem Stadtteil bezahlt werden. Gegliedert nach Bauperioden, werden dort die dafür gezahlten Mieten im Mittelwert festgehalten. Für die Vermieter ist das ein Grund, gerne darauf zu pochen.

Obwohl der Mietspiegel kein Gesetz ist, findet er bei Gerichtsverhandlungen rund um das Thema Mieterhöhung Beachtung. Vor allem in Zeiten von Airbnb kann man den Mietspiegeln allerdings nicht mehr trauen. Selbst die Mietpreisbremse wird auf St. Pauli umgangen, denn die Vermieter können sich davor drücken. Eine Möglichkeit hierfür ist es, die Wohnung möbliert zu vermieten. Welchen Wert die Möblierung hat, wird nicht verraten. So gibt es im berüchtigten Hochhaus am Nobistor eine möblierte 43 Quadratmeter Wohnung für schlappe 955,00 €. Der Mietspiegel geht im Allgemeinen davon aus, dass sich die Mietobjekte in gutem Zustand befinden. Doch davon ist man im alten Baubestand von St. Pauli oft weit entfernt – Viele Vermieter investieren nichts und sagen möglichen Mietern Sätze wie „Seien Sie doch froh, dass sie in einem In-Viertel so günstig wohnen“.

Die Tatsache ist, dass von der Vermieterseite oftmals rein gar nichts investiert wird, sondern „die Kuh gemelkt wird, bis sie leer ist“.

In vielen Treppenhäusern blättert die Farbe ab, Linoleum auf den Treppenstufen wellt sich. Die Keller sind oft feucht und nicht nutzbar. Die Feuchtigkeit kriecht dann die Wände hoch. „Sie sollten mehr lüften.“ ist dann die typische Antwort, wenn nicht mal mehr die Farbe an einer Außenwand hält.
Viele Bewohner klagen auch über Ungeziefer. Nistende Mückenstämme in den Kellern, Ameisenkolonien oder Mäuse im Gebälk sind schon Normalität. Für den Kammerjäger, wenn er denn mal kommt, eine unlösbare Aufgabe, da sich die Viecher wohnungsübergreifend breit machen.

Auch wenn man den Vermieter kontaktiert, kommt es selten zu Verbesserungen. Gentrifizierung mit neuen teuren Wohnungen auf St. Pauli ist eine Seite der Medaille, aber die Verrottung zuzulassen ist schon fast menschenunwürdig. Es gibt auf St. Pauli schon Initiativen wie das Kulturzentrum Lüttje Lüüd, die dafür kämpfen, dass der Mietraum im Stadtteil wieder bezahlbar wird und die Menschen nicht aus ihrem eigenen Viertel verdrängt werden.